Skandale machen irische Großbanken verwundbar
Keine leichte Beute

Wie verwundbar sind die größten irischen Banken? Zuletzt häuften sich Gerüchte darüber, dass Bank of Ireland (BoI) und Allied Irish Bank (AIB) schon bald für potenzielle Angreifer leichte Beute werden könnten.

Ein gutes Bild zeigten beide zuletzt nicht. Bei der mit einem Betriebsergebnis von knapp 3 Mrd. Euro kleineren BoI wurde Chief Executive Michael Soden durch Brian Goggin ersetzt, weil er bei der Arbeit im Internet Seiten mit Erwachsenen-„Literatur“ abgerufen hatte. Beim Konkurrenten AIB (Betriebsergebnis 3,8 Mrd. Euro) geht der Skandal weit über einzelne Fehlleistungen hinaus. Hier hatten frühere Spitzenmanager über Jahre Geld in ein hauseigenes Investment-Vehikel auf den British Virgin Islands angelegt, das der Steuerhinterziehung verdächtigt wird. Sogar der Premierminister Bertie Ahern zeigte sich verwundert, dass so etwas dem Management verborgen blieb.

AIB ist zudem eine Art „Wiederholungstäter“. In frischer Erinnerung ist noch der Skandal um Devisenhändler John Rusnak, der über Jahre beim damaligen US-Ableger Allfirst rund 700 Mill. Dollar verspielen durfte, ohne dass es jemand mitbekam. Auch musste die Bank kürzlich einräumen, dass sie für den Devisenhandel jahrelang die Kunden regelrecht abkassiert hatte. Angesichts all dieser Skandale könnte sogar AIB-Chef Michael Buckley zum Rücktritt gezwungen werden.

Dennoch ist damit eine Übernahme nicht unbedingt wahrscheinlicher geworden. Die Banken selbst interessiert ein Deal auf dem aktuellen Kursniveau nicht, wie AIB-Chef Buckley kürzlich auch öffentlich erklärte. Analysten sehen bei Allied Irish ein Kurspotenzial von 20 Prozent gegenüber dem jetzigen Wert von zwölf Euro. Bank of Ireland liegt bei 10,60 Euro gut ein Viertel von früheren Höchstständen entfernt. Zudem gilt eine feindliche Übernahme als ebenso wahrscheinlich oder unwahrscheinlich wie vor den Skandalen. Gerade in den Büchern der Banken könnten viele Risiken schlummern, so dass Interessenten diese in der Regel sehen wollen.

Aktionären bleibt damit nur, auf das Potenzial der Firmen selbst zu hoffen. Dort zeigen beide Institute ein unterschiedliches Bild. Auf dem Heimatmarkt liegen die Chancen für die Universalbanken ähnlich, zumal beide auf Marktanteile von bis zu einem Viertel je nach Segment kommen. Ein abruptes Ende des blühenden Wachstums in Irland ist nicht absehbar – selbst wenn die Bank-Margen wegen niedriger Zinsen und des starken Kreditwachstums, das zu höheren Refinanzierungskosten führt, gesunken sind.

Im Ausland hat AIB dank eines besseren Geschäfts im übrigen Königreich, einem Anteil an der polnischen Bank Zachodni WBK und dem stark wachsenden US-Institut M&T (das damals in einem Aktientausch die von Rusnak gebeutelte Allfirst übernommen hatte) bessere Aussichten als die BoI. Diese muss ihr UK-Geschäft erst wieder auf Linie bringen und ist sonst nirgends nennenswert vertreten. Das größere Potenzial liegt somit bei AIB – sofern neue Skandale einstweilen ausbleiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%