Skandia wird sich gegen Übernahme wohl wehren
Pokern bis zum Schluss bei Skandia

STOCKHOLM. Der schwedische Versicherungskonzern Skandia war schon immer für negative Schlagzeilen gut. Vor zwei Jahren waren es millionenschwere Bonuszahlungen an das Top-Management, später Veruntreuungsvorwürfe gegen den Skandia-Chef, undurchsichtige Optionsprogramme und vieles mehr. Jetzt beschäftigt der Skandia-Übernahmeversuch durch den südafrikanischen Konkurrenten Old Mutual die Märkte und Öffentlichkeit.

Nicht die ungewöhnliche Herkunft von Old Mutual ist Grund für neue Schlagzeilen, sondern der Übernahmeprozess: Schon im Mai dieses Jahres sickert eine geplante Offerte von Old Mutual durch, doch erst Anfang dieses Monats legen die Südafrikaner nach monatelangen Spekulationen ein formelles Angebot vor. 44,9 Mrd. Kronen (4,8 Mrd. Euro) wollen sie für die komplette Skandia zahlen. Doch statt eine klare Stellungnahme abzugeben, verschanzte sich die Skandia-Konzernführung hinter dicken Türen und ließ nur soviel nach außen durchsickern, dass die Schlagzeilen-Macher genug Futter hatten. Jetzt, am Freitag, soll endlich Schluss sein mit dem Hin und Her. Die Konzernleitung will dann ihr Votum abgeben.

Aller Voraussicht nach wird es ein lautes Nein aus Stockholm geben. Aus mehreren Gründen: Die Skandia-Konzernleitung ist in der Bewertung des Übernahmeangebots nicht einig. Mehrere Aufsichtsratsmitglieder haben öffentlich erklärt, das Beste für Skandia wäre, als unabhängiges Unternehmen weiter zu machen. Außerdem hat Old Mutual die Messlatte für die Übernahme sehr hoch gelegt: 90 Prozent der Aktien wolle man haben, sonst würde nichts aus der Übernahme. Bei Vorlage der offiziellen Offerte sagte Old-Mutual-Chef Jim Sutcliffe, er habe die Rückendeckung von Aktionären, die zusammen etwa 16 Prozent halten. Und selbst wenn Medienangaben in Schweden stimmen, dass die Südafrikaner bereits 50 Prozent der Aktien hinter sich wissen, wäre das immer noch weit entfernt von den 90 Prozent.

Dennoch ist die Sache noch nicht vom Tisch. Insider wollen wissen, dass Old Mutual derzeit jede verfügbare Skandia-Aktien kauft. Bislang ist Old Mutual nur auf dem Heimatmarkt und in Großbritannien präsent. Das reicht nicht. Somit könnte aus der angekündigten freundlichen Übernahme sehr schnell eine feindliche werden.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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