„Small Caps“
Saison der Nebenwerte

Wer sich über seine Aktien nicht ständig Gedanken machen möchte, der sollte Nebenwerte möglichst links liegen lassen. Alle anderen finden unter den „Small Caps“, wie die kleinen Titel im Englischen heißen, immer auch mal das eine oder andere aufregende Objekt, das rasche Gewinne verspricht.

DÜSSELDORF. Für Nebenwerte-Fans kommt jetzt eine besonders interessante Zeit. US- Statistiken belegen, dass die Small Caps gerade in den ersten Wochen des Jahres deutlich besser abschneiden als der Rest. Bis ins Jahr 1926 zurückgerechnet hatten US-Nebenwerte im Januar eine um durchschnittlich 1,5 Prozent bessere Kursentwicklung als große Titel.

Wir haben das Phänomen für den deutschen Standardwerteindex Dax im Vergleich zum Nebenwerteindex S-Dax ab 1995 überprüft. Der S-Dax hat im Januar eine um durchschnittlich 1,3 Prozent bessere Entwicklung erzielt. Ab dem Jahr 2000, als eine bis heute andauernde Rally der Nebenwerte begann, entwickelten sich die Nebenwerte in den ersten Wochen des Jahres sogar um 4,3 Prozent besser als der Dax. Ein ähnlicher Effekt ist bei preiswerten Titeln mit besonders günstigem Kurs-Gewinn-Verhältnis festzustellen.

Der Grund: In den USA stoßen Anleger ihre schwach gelaufenen Titel zum Jahresende gerne ab, da sie Kursverluste steuerlich absetzen können. Im Januar locken dann die Papiere, die stark verloren haben. Ähnlich agieren Profis, die Titel mit schwächerer Entwicklung – der Optik wegen – zum Jahresschluss ausrangieren und dann wieder neu kaufen. Bei Nebenwerten mit entsprechend geringer Liquidität ist das Runter und Rauf besonders groß.

Der Januar-Effekt dauert meist nicht länger als zehn Tage. Wer 2006 davon profitieren will, der müsste sich also sputen. Zumal die alles dafür spricht, dass der Effekt diesmal besonders rasch vorbei ist. Nebenwerteanalyst Satya Pradhuman von Merrill Lynch warnt, dass die Gewinnerwartungen im neuen Jahr besonders hoch geschraubt sind. Damit dürfte es ziemlich bald zu Enttäuschungen kommen. In Europa ist es kaum anders. Nach der hervorragenden Rally des vergangenen Jahres droht ebenfalls der eine oder andere Rückschlag. Der S-Dax der kleinen Werte hat 2005 um 35 Prozent zugelegt, deutlich mehr als der Dax mit plus 25 Prozent.

Ob und wo sich jetzt das schnelle Geld machen lässt, ist schwer zu sagen. Anlageprofis gehen davon aus, dass Nebenwerte in diesem Jahr zumindest nicht schlechter laufen als die Großen. Auch wenn der Januar-Effekt also, wie es häufig vorkommt, gar nicht eintritt, sollten sie ein Bestandteil des Portfolios bleiben. Die Datensicherungsbranche nennen einige als aussichtsreich oder auch Übernahmekandidaten wie Stada. Für die USA hat Merrill Lynch Werte wie Remington Oil, Continental, Chiquita und die Drogeriekette Rite Aid auf der Empfehlungsliste. Der Anleger haftet – wie immer – selbst.

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