So erfolgreich Ebay auch ist, die Aktie ist zu teuer
Drei, zwei, eins: Aus!

Zweifelsohne hat das Online-Auktionshaus Ebay das erfolgreichste Geschäftsmodell im Internet. Und sicher auch das mit der höchsten Markteintrittsbarriere: Egal, ob die gute alte Modelleisenbahn, verstaubte Schallplatten aus dem Keller oder Hautcremeproben aus der Hausapotheke – für jeden, der seinen Plunder früher auf den Flohmarkt karrte, ist Ebay die Anlaufstelle Nummer eins im Netz. Neue Konkurrenten dürften es schwer haben, in dem Markt Fuß zu fassen.

Die Zahlen, die Ebay in der vergangenen Woche für das dritte Quartals verkündete, belegten beides eindrucksvoll. Der Reingewinn stieg um satte 80 Prozent. Die Umsätze steigerte Ebay um 52 Prozent. Und der Wert der Auktionsobjekte, die über die Online-Plattform ihren Besitzer wechselten, kletterten um 44 Prozent auf 8,3 Mrd. Dollar. Inzwischen kaufen und verkaufen 125 Millionen Menschen über das US-Haus nicht nur ihren Plunder – elf Millionen davon erstmals im 3. Quartal. Am Ende des Geschäftsjahres 2004 rechnet Vorstandschefin Meg Whitman mit Erlösen in Höhe von 3,25 Mrd. Dollar und für das kommende Jahr mit 4,2 Mrd. Dollar.

Das Wachstum scheint unbegrenzt – auch für die Aktie gab es zuletzt kein Halten mehr. Allein in den vergangenen zwölf Monaten stieg der Kurs der Aktie um über 60 Prozent. Seit dem Tiefpunkt Anfang 2001 ging es mit dem Auktionspapier um 400 Prozent nach oben. Inzwischen kostet Ebay am Kapitalmarkt mit rund 50 Mrd. Euro soviel wie Ford (18 Mrd.), General Motors (17 Mrd.) und Volkswagen (13 Mrd. Euro) zusammen – ihres Zeichens nach Toyota die größten Automobilbauer der Welt.

Soweit ist die Geschichte der Ebay-Aktie intakt. Schade nur, dass es noch 82 Jahre dauert, bis das Unternehmen seinen Marktwert auch verdient – zumindest auf Basis des aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisses. Auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis, das mit dem 14-fachen der diesjährigen Erlöse an die euphorischen Neunziger erinnert, versetzt den kritischen Anleger in Erstaunen, warum nur einer von 24 Analysten die Aktie zum Verkauf empfiehlt. Derlei Zahlen scheinen am Kapitalmarkt aber niemanden zu interessieren, solange das Momentum der Aktie intakt ist.

Doch dafür bedarf es Wachstumsraten, die auch künftig im hohen zweistelligen Bereich liegen und damit den Aktienkurs nähren. Das weiß auch das Ebay-Management. Das Unternehmen versucht gerade, sich sein Wachstum im Ausland einzukaufen. So übernahm Ebay für insgesamt 230 Mill. Dollar in Indien den Online-Auktionator Baaze.com und in China das Versteigerungshaus Eachnet. Und in Südkorea stockte die Firma jüngst seinen Beteiligung an Internet Auction auf 99,7 Prozent auf. Die gleiche Strategie, die Ebay seinerzeit in Deutschland fuhr, als der Weltmarktführer den heutigen Jamba-Gründern ihr Auktionsbaby Alando abkaufte.

Deutschland ist heute ein reifer Markt genauso wie die USA – der Heimatmarkt ist mit einem Umsatzanteil von 58 Prozent noch immer Ebays größter Markt. Im Vergleich zum Vorquartal wächst Ebay dort nur noch mit bescheidenen vier Prozent. In reifen Märkten hat Ebay längst mit den gleichen Problemen wie die herkömmlichen Einzelhändler zu kämpfen. Neues Wachstum ist also Pflicht für das Unternehmen. Eigenen Angaben zufolge sieht Ebay das Marktpotenzial für Onlineversteigerungen bei 3 400 Mrd. Dollar oder bei 750 Millionen Internetnutzern, die noch nicht vom Ebay-Virus gepackt sind.

Schafft es Ebay jedoch nicht, sich diesen Kuchen ähnlich schnell einzuverleiben wie bisher, dann geht es mit der Aktie nach unten, ehe die Aktionäre bis drei zählen können.

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