So schnell fliegt Boeing nicht aus den Turbulenzen
Angeschnallt bleiben

Der US-Luftfahrt- und Rüstungskonzern Boeing verträgt sich wieder mit einem alten Freund. Die US-Luftwaffe, die Boeing wegen Industriespionage im Geschäft mit dem Transport von Satelliten in den Weltraum von weiteren Aufträgen aus diesem Bereich ausgeschlossen hatte, will das Unternehmen wieder auf die Liste der „verantwortungsvollen Zulieferer“ setzen.

SAN FRANCISCO. Damit kann Boeing bei Aufträgen im Wert von fünf Milliarden Dollar bis 2010 wieder mitbieten. Und für den bahnbrechenden Passagierjet 7E7, der ab 2008 fliegen soll, wählte Boeing jetzt Rolls-Royce und General Electric als Triebwerkslieferanten aus.

Soweit die guten Nachrichten. Der Frieden mit der Luftwaffe bezieht sich nur auf die Rückkehr als Raketenlieferant. Strafrechtliche Ermittlungen laufen noch und könnten Boeing ein Bußgeld in Höhe von 250 Millionen Dollar bescheren. Darüber hinaus hängt der skandalumwitterte Milliardenauftrag zur Lieferung von 100 Militär-Tankflugzeugen des Typs B 767, über den bereits zwei Topmanager gestolpert sind, weiter in der Luft. Das Pentagon will nun genau wissen, wie der Auftrag zustande kam, bei dem Boeing im Wettbewerb mit Airbus alle Lobby-Hebel zog und der zuständigen Beschaffungsbeamtin einen lukrativen Job bot.

Dass Boeing den Auftrag trotz allem bekommen wird, bezweifelt aber kaum jemand. Aber Warten ist teuer, gerade in der gegenwärtigen Flaute. Das Ende der B 757-Produktion wurde bereits verkündet, der kleinste Jet B 717 leidet unter Auftragsmangel, und der Tankerauftrag ist notwendig, um das B 767-Programm zu retten, bis die Produktion der 7E7 in Gang kommt. Projektmanager Mike Bair betonte jetzt wieder, dass zahlreiche Fluggesellschaften an der super-sparsamen 7E7 interessiert seien. Aber niemand hat bisher unterschrieben, und Bair wollte sich nicht darauf festlegen, dass der erste Auftrag noch vor Jahresmitte erteilt werden könnte. Auf die großen US-Airlines als traditionelle Hauptkunden kann Boeing nicht rechnen, weil viele von ihnen weiter an der Pleite entlang fliegen.

Wunderdinge sind von der Boeing-Aktie nicht zu erwarten

Durch drastische Schrumpfung brachte der Konzern 2003 das Kunststück fertig, trotz Krise im zivilen Flugzeugbau schwarze Zahlen zu schreiben. Die stärkere Orientierung auf das lukrative Rüstungsgeschäft nach der Übernahme von McDonnell Douglas 1997 half Boeing zusätzlich durch die Nachfrageflaute bei Zivilflugzeugen. 2003 lag der Militärumsatz zum ersten Mal über den Zivilerlösen, und im laufenden Jahr steigen die US-Verteidigungsausgaben kräftig weiter, wie Deutsche Bank Analyst Christopher Mecray notiert.

Wunderdinge sind von der Boeing-Aktie nicht zu erwarten. Die Skandale verkratzten das einst strahlende Image, und die Massenentlassungen im Zivilflugzeugbau belasten den Konzern – zusammen mit ungenutzten Immobilien und wachsenden Pensionsansprüchen. Vor 2005 rechnet Boeing nicht mit einem Aufschwung im Zivilgeschäft.

In der Hausse von 2003 erholte sich auch der Boeing-Kurs von 25 auf zeitweilig 45 Dollar; er dümpelt derzeit um 42 Dollar. Nach den Kennzahlen für das vergangene Jahr rangiert Boeing unter den Standardwerten des S&P500-Index aber im letzten Fünftel und liegt weit hinter Rüstungskonkurrenten wie Lockheed Martin, General Dynamics oder Northrop Grumman zurück. Nachdem der Gewinn in den vergangenen drei Jahren um durchschnittlich 30 Prozent abgenommen hatte, soll er in diesem Jahr wieder steigen. Das allerdings ist im gegenwärtigen Kurs bereits enthalten.

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