Softwarehaus FJH wehrt sich offensiv gegen anonyme Anzeige
Die Angst vor Heckenschützen

Manfred Feilmeier dürften die letzten zweieinhalb Wochen wie ein Alptraum vorgekommen sein. Denn wohl nie zuvor war sein beschauliches Softwarehaus FJH so unter Beschuss geraten. Per anonymer Anzeige wurde dem Unternehmen bei der Staatsanwaltschaft Bilanzfälschung vorgeworfen.

Der Kernvorwurf der Anzeige betraf die hohe Bilanzposition „nicht fakturierte Forderungen“, die nicht durch Aufträge unterlegt seien. Die Anzeige wurde ebenfalls anonym an verschiedene Zeitungen gestreut. Gleichzeitig tauchten zweifelhafte Research-Studien auf, und auch der Börsenbrief „Prior“ berichtete im Sinne der Anzeige. Der Aktienkurs brach darauf hin am 7. November fast um die Hälfte ein.

FJH stellt Software für Versicherungen her. Der Kontakt mit den rund 100 Kunden findet meist auf Vorstandsebene statt. Feilmeier ist als einer der führenden Versicherungsmathematiker in der Branche bestens verdrahtet und hat mit kontinuierlichem Wachstum sämtliche Stürme des Neuen Marktes überlebt. Das profitable Unternehmen schaffte den Sprung in den TecDax. Aber was macht ein Unternehmen, wenn es auf diese Art von einem anonymen Heckenschützen angegriffen wird? „Gegen so genannte Sniper hilft nur eine offensive Strategie, wenn man ein reines Gewissen hat“, sagt eine erfahrener PR-Berater, der schon mit einen ähnlichen Fall betraut war. Im Hintergrund sind meist schwarze Schafe unter den finanzkräftigen Hedge- Fonds, die bei ihrer Spekulation auf fallende Kurse mit gezielten Fehlinformationen arbeiten.

Auf dem Papier gelte zwar die Unschuldsvermutung, aber Nichtstun sei brandgefährlich, weil sich der falsche Eindruck über das Unternehmen bei „Rufmord“ festsetze, sagt der Branchenkenner. Das Unternehmen müsse so schnell wie möglich die Vorwürfe entkräften und dürfe dabei nicht zurückscheuen, Dinge offen zu legen, die es sonst nicht preisgibt. Beispielsweise MLP oder WCM hatten bei ähnlichen Angriffen zu lange abgewartet. Autovermieter Sixt war ähnliches widerfahren, konnte aber den verdeckten Scharfschützen stellen und juristisch angreifen.

„Wir haben uns entschlossen schnell, aber fundiert zu reagieren“, sagt Feilmeier. Als erste Reaktion teilte das Unternehmen mit einer Meldung noch am gleichen Tag mit, dass nichts an den Vorwürfen dran sei. Feilmeier bot der Staatsanwaltschaft sofort umfassende Kooperation an. In einem zweiten Schritt legte er Listen mit den Aufträgen vor, die dem fraglichen Forderungsposten unterlegt waren. Zudem beauftragte Feilmeier mit der KPMG einen großen unabhängigen Wirtschaftsprüfer, der die Unbedenklichkeit der Bilanzposition bestätigte. Insgesamt gut zwei Wochen nach der Anzeige scheint der Spuk vorbei. Der Aktienkurs hat sich erholt. Gestern stufte die Deutsche Bank die Aktie auf „kaufen“.

Mit Spannung wartet jetzt nicht nur der FJH-Vorstandschef auf die Ergebnisse der Bundesanstalt für Finanzaufsicht. Sie untersucht die Kursbewegungen vom 7. November als die Aktie einbrach.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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