Sorgenkind des Konzerns
Salomon macht Adidas zu schaffen

In einem sind sich Skifahrer, Analysten und das Management der Adidas-Salomon AG einig: Die Wintersport-Ausrüstung von Salomon ist spitze. Mit dem „Crossmax“ – dem Top-Ski der französischen Adidas-Tochter – über die Pisten zu jagen, ist einfach klasse.

Doch was Skifahrern Freude macht, bereitet Analysten zunehmend Kummer. Immer öfter fragen sich die Experten, ob der Skihersteller und Outdoor-Ausrüster wirklich zu Adidas passt. Vor sieben Jahren haben die Franken den französischen Mittelständler für 2,4 Mrd. DM übernommen. Das war viel Geld, und noch immer belasten die Schulden aus der Übernahme den zweitgrößten Sportkonzern der Welt.

Dazu kommt, dass die Firma aus Annecy bis heute das Sorgenkind des Sportkonzerns geblieben ist. Der Umsatz stagniert, die Gewinne fallen seit Jahren mager aus. Die Franzosen stehen deshalb mächtig unter Druck. Auf der einen Seite fordert die Börse mit Nachdruck höhere Gewinne und endlich wieder Wachstum.

Auf der anderen Seite tobt auf dem für Salomon überlebenswichtigen Skimarkt ein gnadenloser Preiskampf, der in den nächsten Jahren noch schärfer werden wird. Denn die Konsolidierung in der Branche hat gerade erst begonnen. Im Sommer übernahm der US-Konzern K2 den deutschen Wettbewerber Völkl. Jetzt sieht es so aus, als würden die Amerikaner die Skiproduktion aus Bayern zunehmend in ihre Werke im Billiglohnland China verlagern. Das dürfte die Ski-Preise künftig noch weiter drücken.

Sicher, auch Salomon will die Kosten senken und wird vermehrt in Osteuropa produzieren. Zudem versucht die Firma, das Sommer-Geschäft zu forcieren und damit vom Ski-Markt unabhängiger zu werden. Doch ob das für den Konkurrenzkampf reicht, ist offen.

Offiziell steht Konzernchef Herbert Hainer bislang fest zu Salomon. Nur so kann er Sportausrüstung für das gesamte Jahr anbieten. Fällt Schnee, so das Kalkül, können die Adidas-Kunden einfach von der Konzernmarke Taylor-Made (Golf) auf Salomon (Ski) wechseln.

Bei einem schönen Preis sei ein Verkauf allerdings durchaus möglich, ließ er bereits einmal anklingen. Manche Analysten gehen davon aus, dass sich Adidas über kurz oder lang von der Skitochter trennen wird. Denn dann wäre das Unternehmen auf einen Schlag fast schuldenfrei – und hätte alle Freiheiten, das wesentlich profitablere Kerngeschäft mit Turnschuhen und Trikots voran zu treiben. Dem Kurs von Adidas könnte das nur gut tun.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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