Spaniens Bauwerte legen EU-weit am stärksten zu
Schlau am Bau

Spanische Bauaktien sind noch immer für Kurssteigerungen gut. Zwar mehren sich die Anzeichen, dass sich der seit fünf Jahren anhaltende Boom im Privatwohnungsbau verlangsamt. Gekauft wird aber noch immer „in einer unglaublichen Menge“, beobachten Analysten.

HB MADRID. Großartige Preissenkungen sind darum wohl nicht zu erwarten und die spanischen Baukonzerne werden auch weiterhin gut zu tun haben, die typisch gleichförmig langweiligen Neubausiedlungen an den Stadträndern hochzuziehen.

Ohnehin macht der private Wohnungsbau nur 10 bis 12 % des gesamten Geschäfts der Bauunternehmen aus, hat Elena Fernández vom Brokerhaus Renta 4 in Madrid errechnet. Die Branche insgesamt kann sich auch in den nächsten Monaten besserer Geschäfts- und Gewinnaussichten als in vielen anderen europäischen Ländern erfreuen. So weist Spanien in der EU weiterhin überdurchschnittliche Wachstumsraten auf, was den gewerblichen Bau stützt. Dabei profitiert das Land von den finanziellen Zuwendungen aus Brüssel, die zunächst bis 2006 gesichert sind und vor allem in den Straßenbau fließen.

Die Investitionen in Milliardenhöhe kommen vor allem den heimischen Baufirmen zu Gute, die zudem längst nicht mehr abhängig sind vom reinen Baugeschäft: Entschlossen haben die Spanier ihre geografische und geschäftliche Diversifizierung voran getrieben und sind heute in der Abfallbeseitigung ebenso aktiv wie beim Betrieb von Flughäfen und gebührenpflichtiger Autobahnen. Das alles, davon sind Marktbeobachter in Madrid überzeugt, wird sich in weiter steigenden Kursen der Baukonzerne niederschlagen.

Ein Unternehmen, das Analysten derzeit besonders hervorheben, ist Ferrovial. „Ferrovial ist der spanische Baukonzern mit dem größten Kurspotential“, findet Santiago Molina vom Brokerhaus Ibersecurities. Mehr als 30 % Spielraum bescheinigt er der Aktie bis Ende des Jahres. Bei Renta 4 ist man nicht ganz so optimistisch, Elena Fernández sieht aber immerhin ein Plus von gut 10 %. Im bisherigen Jahresverlauf war das Papier deutlich weniger erfolgreich als die Konkurrenz, die teilweise um 20 % zulegte. Trotz dieses Höhenflugs betrachten Analysten den Spielraum dieser Aktien immer noch nicht als beendet.

Bei Ferrovial sorgte einerseits die Frage nach der Gewinnentwicklung für Unsicherheiten am Markt. Das Unternehmen drücken Währungsverluste wegen des starken Euro. Andererseits gab der Kauf der britischen Amey zunächst Anlass zu Bedenken. Analysten bewerten die Akquisition des auf die Erhaltung von Verkehrsinfrastruktur spezialisierten Unternehmens jedoch als wertsteigernd für den spanischen Konzern. Gut kommt auch an, dass Ferrovial den Schritt nach Osteuropa gewagt hat: So werden die Spanier durch den Einstieg bei der polnischen Budimex beim öffentlich finanzierten Aufbau des osteuropäischen Landes mit dabei sein – zu einer Zeit, in der EU-Hilfen für das eigene Land langsam verebben.

Bei der anhaltenden und kurstreibenden Diskussion über eine Bereinigung von Spaniens Baubranche fällt auch stets der Name Ferrovial. Nach der Übernahme von Dragados durch die kleinere ACS, die Spaniens Botschaft in Berlin wieder aufgebaut hat, erwarten Analysten in diesem Jahr jedoch keine größeren Bewegungen mehr.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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