Spanische Anbieter gehen zur Freude der Aktionäre im Ausland auf Einkaufstour
Rollentausch in der Touristik

Wer hätte das gedacht? War der spanische Tourismus jahrzehntelang auf die deutschen Reiseveranstalter und ihre Gunst angewiesen, Tausende Urlauber heranzukarren, schauen die Deutschen inzwischen nach Spanien, um Geldgeber zu finden. Seit Wochen kursieren Gerüchte um Tui. Angeblich sind spanische Hotelketten an einer Beteiligung an dem deutschen Tourismuskonzern interessiert. Bisher haben zwar alle dementiert, aber die Kurse haben dennoch davon profitiert. Nicht nur bei Tui, sondern auch beim landesweit größten Ferienhotelbetreiber Sol Melià sowie der größten Geschäftshotelkette Kette NH Hoteles ging der Wert der Aktien nach oben. NH Hoteles ist europaweit die Nummer drei im eigenen Segment, Sol Melià gehört weltweit zu den Top Ten der Branche.

Derzeit gilt zwar das nicht-börsennotierte mallorquinische Unternehmen Riu Hoteles als heißer Favorit, bei Tui einzusteigen. Aber die beiden spanischen Konkurrenten profitieren dennoch von den Gerüchten. Während die grundsätzlich schlechten Branchennachrichten die Kurse von Sol Melià und NH Hoteles in den Keller getrieben hatten, ging es seit Mitte August, als die ersten Gerüchte um Tui und spanische Hotelunternehmer aufkamen, wieder aufwärts.

Die spanische Tourismusbranche kann aber nicht nur von Gerüchten leben. Auf wenn diesmal kein Spanier bei Tui einsteigen wird, ist klar, dass sich die iberischen Hotelketten und Reiseveranstalter wie das nicht an der Börse notierte Unternehmen Barceló, das auch als Tui-Interessent gilt, ihre Fühler ins Ausland ausstrecken müssen. Spanien ist zwar immer noch das zweitliebste Ferienziel der Welt, aber das Wachstum der vergangenen Jahre ist vorbei, die Ausgaben pro Tourist gehen zurück.

Die Inflation hat die Preise der Bettenburgen im Juli um zwei Prozent in die Höhe getrieben, der Service hinkt jedoch hinterher, womit Spanien bei vielen inzwischen den Ruf hat, teuren und schlechten Tourismus anzubieten.

Die Hotelketten NH Hoteles und Sol Melià haben das bereits vor geraumer Zeit erkannt und in andere Standorte investiert. NH Hoteles hat 2000 die holländische Kette Krasna-polsky gekauft, 2001 den mexikanischen Branchenwettbewerber Cristal und 2002 die Astron-Kette in Deutschland. Inzwischen kommen die Spanier auf 240 Häuser an 16 verschiedenen Standorten. NH muss diese Zukäufe erst einmal verdauen, will sich jedoch langfristig vor allem von Deutschland aus einen Namen in den neuen Geschäftszentren und Urlaubszielen in Osteuropa machen. Investiert wird auch zunehmend in Lateinamerika, wo viele spanische Unternehmen Niederlassungen haben.

Sol Melià versucht vor allem sein Glück in Nordamerika und in der Karibik, die derzeit vor allem bei spanischen Urlaubern unglaublich gefragt ist. Die Kette hat gerade eine 25-prozentige Beteiligung an dem spanischen Bauunternehmen Alcajan XXI erworben, das gerade ein Fünf-Sterne-Hotel für sie in der Dominikanischen Republik baut.

Der spanische Ferienmarkt ist dagegen gesättigt, hier werden in Zukunft eher Hotels geschlossen als eröffnet. Schon jetzt übersteigt das Angebot die Nachfrage um rund 15 Prozent. Deswegen werden die spanischen Hoteliers in Zukunft noch stärker im Ausland investieren. Und auch, wenn an den Gerüchten um Tui jetzt wirklich nichts dran ist, wird man von den Spaniern in Zukunft mehr lesen. Zumindest Sol Melià hat die finanzielle Kraft, um weiter auf Einkaufstour zu gehen. Das wird sich langfristig auch im Kurs niederschlagen.

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