Spekulative Blasen
Liquidität als Risikofaktor

„Alles steigt auf tausend!“ Dieser Satz war während vergangener Boomzeiten oft zu hören, wenn Experten der Anlageszene nach Kurs- und Indexzielen befragt wurden.

HB FRANKFURT. Hinter solchen wohl nicht immer ernst gemeinten Aussagen steckte in der Regel das Wissen um das im Hintergrund der Märkte lauernde Kapital. Aus der üppigen Liquiditätsversorgung resultierten oft jene Unheil bringenden spekulativen Blasen.

Eine ähnliche Situation droht auch im aktuellen Haussezyklus. Dort, wo billige Liquidität in Übermaßen vorhanden ist – wie derzeit –, besteht die Gefahr irrationalen Handelns auf Seiten der Anleger. Der Rekordhöhen erreichende Liquiditätsberg sucht nach Anlagezielen mit hohen Renditen. Hohe Renditen sind aber nur mit entsprechend hoher Risikobereitschaft zu erzielen.

Der auf drei Säulen basierende weltweite Liquiditätskoloss ist im laufenden Zyklus höher als in vergangenen Boomzeiten. Die US-Notenbank hat die Kosten für die aus dem Ruder gelaufene Geldmenge zwar verteuert, doch liegen die Leitzinsen in den USA historisch betrachtet weiter auf relativ niedrigem – als geldpolitisch neutral einzustufenden – Niveau. Die innovativen Akteure der Kapitalmärkte wie Hedge-Fonds und Private-Equity-Unternehmen nutzen daher weiter die Chance, Anlagestrategien zu attraktiven Zinsen zu hebeln.

Zweite wichtige Säule

Die zweite wichtige Säule des global nie zuvor gesehenen Liquiditätsberges stellen die als gigantisch zu bezeichnenden Ersparnisüberschüsse asiatischer Boomstaaten wie China, Japan und Indien dar. Und last but not least profitieren Finanzmärkte großer Industrieländer vom dritten Element der gefährlichen Liquiditätsanhäufung, nämlich der immer neue Rekordmarken erreichenden Einnahmen der Ölländer.

Aus dem Recycling der asiatischen Überschüsse und der Petrodollar drohen Gefahren für die Stabilität der Welt-Finanzmärkte. Fließt die ungehindert vagabundierende Liquidität ungebremst in die effizienten Kapitalmärkten der Industrieländer, so droht hier auf mittlere Sicht das Entstehen einer neuen spekulativen Blase.

Was nur auf den ersten Blick unlogisch erscheinen mag, ist die Tatsache, dass nicht etwa fallende, sondern steigende Kurse für Investoren auch in diesem Fall wieder das beste Argument für den Einstieg in Finanzanlagen sind, sich die Dinge also zuzuspitzen drohen. Dieser Ablauf wird sich im laufenden Zyklus wiederholen. Später werden dann nicht nur lange geltende traditionelle Bewertungsfaktoren außer Acht gelassen, sondern auch der Blick in die Zukunft vernachlässigt.

Noch sind die Märkte der populären Anlageklassen nicht wirklich überhitzt. Wird der weltweit riesige Liquiditätsberg jedoch weiter vor allem über den Finanzmärkten nicht in Realwirtschafts-Investitionen ausgeschüttet, droht nicht nur eine neue spekulative Blase, sondern auch die Rückkehr des Inflationsgespenstes.

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