Spezialisierte Aktienfonds
Die Milch macht’s

Billig frühstücken ist passé. Für Milchprodukte müssen Verbraucher künftig tiefer in die Tasche greifen. Für Verbraucher ist das zwar eine schlechte Nachricht, doch Börsianer wittern Chancen. Sie investieren in börsennotierte Agrarkonzerne oder packen ihr Geld in spezialisierte Aktienfonds.

FRANKFURT Bei Aldi zahlen Verbraucher schon seit Juni 55 statt bisher 49 Cent für den Liter fettarme Milch. Das Päckchen Butter soll laut Milchindustrie-Verband in dieser Woche sogar 1,19 Euro statt bisher 79 Cent kosten. Quark wird teurer; für Käse dürfte wohl das gleiche gelten.

Die Verbraucher sind wütend, nüchterne Reaktionen wie die eines Bloggers eher selten. " Kuhmilch gehört den Kälbern", tippte er in die Tastatur. Sonst keinem. Wer als Mensch Milch wolle, der solle sich eine Amme halten. Verbraucherschutzminister Seehofer trifft mit seinen Ausführungen eher Volkes Stimmung. Er warnt den Lebensmittelhandel vor einer Abzocke am Frühstückstisch. Was wurde nur aus den viel zitierten Butterbergen und Milchseen? Das Thema ist gegessen und verfrühstückt, die Seen sind längst ausgetrunken.

In einer globalisierten Welt herrscht Rohstoffknappheit. Bei Öl und Metallen machten rasant steigende Preise schon während der vergangenen Jahre Schlagzeilen. Agrarrohstoffe dagegen hinken hinterher. Die Engpässe dringen erst allmählich ins öffentliche Bewusstsein. Hier geht es um weit mehr als nur um Milch; es geht um Getreide, um Zucker, Kaffee oder Sojabohnen. Auch auf diesem Feld der "Commodities" hält das Angebot nicht mit der steigenden Nachfrage mit. 2,3 Milliarden Chinesen und Inder fordern ihren Teil vom Rohstoffmarkt. Sie wollen besser essen und trinken. So steigt die Nachfrage nach Agrarprodukten. Gleichzeitig verursachen immer häufiger Dürreperioden in den großen Anbauländern Missernten - das Angebot sinkt.

Und dann ist noch ein Kampf um die Felder entbrannt: Bei steigenden Energiepreisen subventionieren Regierungen den Anbau von Mais und anderen Rohstoffen zur Gewinnung von Biosprit. Dieser Mais kann nicht mehr gegessen werden. Gleichzeitig fehlen diese Felder für den Anbau anderer Getreidesorten. So haben die Preise für Getreide spürbar angezogen. Ganz nebenbei klettern damit auch die Futterpreise für das Vieh, was Milch zusätzlich verteuert.

Für manche Fachleute gehören niedrige Nahrungsmittel- und Agrarpreise endgültig der Vergangenheit an. Für Verbraucher ist das zwar eine schlechte Nachricht, doch Börsianer wittern Chancen. Sie investieren in börsennotierte Agrarkonzerne oder packen ihr Geld in spezialisierte Aktienfonds.

Für eine direkte Spekulation auf den Milchpreis fehlen dem Privatanleger die Instrumente. Es gibt keine Zertifikate. Produktanbieter Goldman Sachs will mangels liquider Terminkontrakte in Chicago, die eine Absicherung erschwerten, darauf verzichten. Doch die ABN Amro Bank kündigt jetzt Milch-Zertifikate an. Im Übrigen können sich Anleger bei Zertifikaten auf Agrarindizes oder Einzelrohstoffe wie Mais bedienen - sogar mit Hebel, wenn sie offensiv wetten wollen.

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