Spezielle Anleihen für Privatanleger versprechen zu viel
Riskante Wetten

Wenn es darum geht, Kunden auf ihre Produkte aufmerksam zu machen, ist die Phantasie der Banken groß. Jede Woche kommen neue Wertpapiere auf den Markt, die sich vor allem an Privatanleger richten.

FRANKFURT/M. Sie zeichnen sich durch phantasievolle Namen und hohe Renditeversprechen aus. Letztere erfüllen sie in der Regel aber nicht. In diesem Jahr gab es unter vielen anderen eine „Valentinstag-Anleihe“ von ABN Amro, eine „Endlich 18!“-Anleihe der Commerzbank, eine „Nordic-Horizon-Zins-Ziel-Anleihe“ der HSH Nordbank und eine „Zinssammler-Anleihe“ der WestLB.

Generell gibt es bei diesen Papieren zwei Strickmuster: In den ersten ein oder zwei Jahren zahlen sie hohe Renditen. Anschließend richtet sich die Verzinsung nach der Entwicklung von Aktien – wie bei den Papieren von ABN Amro, Commerzbank und HSH Nordbank – oder nach einem Referenzzinssatz – wie bei der WestLB. Damit sollen die Anleger den niedrigen Marktzinsen ein Schnippchen schlagen können.

Dazu bekommen sie eine Kapitalgarantie: Am Ende der Laufzeit zahlen die Banken den Investoren den Nennwert der Papiere zu 100 Prozent zurück. Das ist gut und entspricht dem klassischen Anleiheprinzip. Die Rendite ist aber alles andere als sicher. Deshalb gehören die Papiere auch nicht zu den Anleihen, sondern zu den Zertifikaten.

Bei den Papieren, deren Verzinsung sich ab einer bestimmten Laufzeit nach der Aktienentwicklung richtet, wird den Anlegern oft eine Mindestrendite angeboten. 18 Prozent zum Beispiel bei dem Produkt der Commerzbank. Das hört sich gut an, aber die 18 Prozent beziehen sich auf die gesamte Laufzeit von acht Jahren. Pro Jahr bekommt der Anleger eine magere Mindestrendite von 2,09 Prozent.

Ob die Investoren mehr Rendite bekommen, hängt bei der „Endlich 18!“-Anleihe, wie bei ähnlichen Produkten, davon ab, wie sich ein zu Grunde liegender Korb von Aktien entwickelt. Dabei richtet sich die Verzinsung nach dem schlechtesten Aktienwert. Wenn der Kurs einer Aktie die fest gelegten Bandbreiten unterschreitet, bekommen Anleger im Folgejahr keine Rendite. Dabei werden Zertifikate-Experten zufolge die meisten Produkte so strukturiert, dass es sehr unwahrscheinlich ist, viel mehr als den Mindestzins zu bekommen.

Das gilt auch für Zertifikate, deren Verzinsung sich nach dem kurzfristigen Interbankenzinssatz Euribor richtet. Die „Zinssammler-Anleihe“ der WestLB zum Beispiel, die in acht Jahren fällig wird, zahlt im ersten Jahr eine Rendite von fünf Prozent. Danach hängt die Rendite davon ab, ob der zwölfmonatige Euribor innerhalb einer von der WestLB festgelegten Bandbreite notiert. Wenn die Bandbreite über- oder unterschritten wird, gehen Anleger leer aus. Der Werbeprospekt spricht zwar von „Festzinsen“ nach dem ersten Jahr, meint damit aber lediglich eine Obergrenze.

Anleger gehen mit solchen Papieren also Wetten auf eine Aktien- oder Zinsentwicklung ein. Und bei diesen Berechnungen sind die Banken meist cleverer als die Anleger. Investoren sollten nicht damit rechnen, für die Produkte mit den phantasievollen Namen mehr Rendite als für herkömmliche Anleihen der jeweiligen Bank zu bekommen. Und das sind zum Beispiel für eine Laufzeit von acht Jahren selten mehr als 3,60 Prozent.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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