Spielzeug fürs Depot
Anleger spekulieren auf Radikalumbau bei Toys R Us

Mütter und Väter, aufgepasst! Die besten Anlageideen liegen, wie US-Milliardär und Starinvestor Warren Buffett stets betont, häufig vor der eigenen Nase. Zum Beispiel im Kinderzimmer, wo Sohnemanns „Transformers“-Kampfroboter neben den Barbie-Puppen der Tochter stehen.

NEW YORK. Rund um den Globus verkauft das US-Unternehmen Toys R Us solches Spielzeug. Doch das Geschäft läuft nicht gut, weshalb Firmenchef John Eyler vor einigen Tagen laut darüber nachdachte, sein Unternehmen zu zerschlagen und zu verkaufen. Der Aktienkurs von Toys R Us sackte bei Veröffentlichung der Nachricht bei hohen Umsätzen in den Kelle, weil die Aktionäre notgedrungenen Schnellverkauf befürchteten. Und der ließe sich wohl nur zum Schleuderpreis realisieren.

Nach dem ersten Schock hat der Kurs sich wieder erholt. Auch, wegen des unerwartet starken Quartalsergebnisses, das der weltgrößte Spielzeughändler aus Wayne im US-Bundesstaat New Jersey vergangene Woche vorlegte. Zudem beruhigte Eyler die Finanzgemeinde: Ein Ausverkauf sei keineswegs beschlossen, eine Entscheidung werde frühestens in „einigen Monaten“ veröffentlicht. Möglich sei auch, dass nur die erfolgreiche Kleinkind-Sparte Babies R Us abgespalten werde oder es bei einer internen Restrukturierung bleibe. Beraten von der New Yorker Investmentbank Credit Suisse First Boston prüft Eyler seine Optionen. Die Anleger haben indes Zeit, die Aussichten des Unternehmens und den Wert der Toys-R-Us-Aktie einzuschätzen.

Auf den ersten Blick spricht wenig ein Investment. Denn auf dem US-Heimatmarkt kämpft Toys R Us gegen Warenhaus-Riesen wie Wal-Mart und Target. Deren Billig-Spielzeug trieb bereits die Rivalen FAO und KB Toys in die Zahlungsunfähigkeit. Außerdem scheiterte Toys R Us mit seinem aggressiven Geschäftsmodell, das auf ständige Expansion setzte. Und als das Wachstum Ende der neunziger Jahre abflachte, konnte die Firma seine überhöhten Lagerbestände nicht mehr einfach an neu gegründete Filialen weiterreichen.

Mit den Sünden der Vergangenheit will Eyler jetzt Schluss machen. „Dramatische Senkung des eingesetzten Kapitals und der laufenden Kosten“, so lautet sein Ziel.

Mit anderen Worten: Nicht exzellenter Service, Gewinnspiele für Stammkunden und ultra-hippes Spielzeug stehen im Fokus, dafür aber niedrige Personalkosten, schneller Warendurchlauf und vermutlich noch höhere Schulden, um die Eigenkapitalrendite zu erhöhen.

Gewiss, mancher Experte bezweifelt, ob das Unternehmen dauerhaft gegen Wal-Mart bestehen kann. Doch selbst, wenn nicht, könnten Investoren immer noch das enorme Immobilien-Vermögen von Toys R Us ausschlachten. Dessen Wert schätzt Analyst David Shulman von der Investmentbank Lehman Brot-hers auf 3,1 Mrd. Dollar. Damit ließe sich immerhin ein Teil des Börsenwerts von 3,5 Mrd. Dollar und der Gesamtschulden von 2,3 Mrd. Dollar begleichen.

Analyst Bill Sims vom US-Bankriesen Citigroup erwartet, dass Toys-R-Us-Chef Eyler mit seinen Credit-Suisse-Beratern bald eine Entscheidung trifft. „Aller Erfahrung nach werden Details nach außen dringen und spätestens im Herbst den Aktienkurs bewegen – vermutlich nach oben“, sagt Sims.

Eine negative Reaktion drohe lediglich dann, wenn Toys R Us nur kosmetische Änderungen vornimmt. Das erscheint jedoch nach den großen Ankündigungen wenig wahrscheinlich. Risikobereite Väter und Mütter verdienen somit vielleicht das Geld für die nächste „Transformers“-Figur oder Barbie-Puppe mit der Aktie von Toys R Us. Auf Grund des hohen freien Cash-Flows kostet die Aktie gerade einmal des sechseinhalbfache der frei verfügbaren Mittel. Das lässt Toys R Us trotz des vergleichsweise hohen Kurs- Bilanzgewinn-Verhältnisses von 24,1 als billig erscheinen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%