Spürbare Vorsicht: Defensive Aktien sind jetzt wieder gefragt

Spürbare Vorsicht
Defensive Aktien sind jetzt wieder gefragt

In Aktien investieren ist wie Autofahren: Man sollte wissen, wann man Gas geben und wann man bremsen muss. Mit dem jüngsten Kursaufschwung an den globalen Aktienbörsen könnte man annehmen, dass die Anleger das Gaspedal durchgedrückt haben und zyklische Titel erworben haben – also Papiere, die von einer konjunkturellen Erholung am meisten profitieren. Dem ist aber nicht so.

PARIS. Im Januar etwa schnitten die Zykliker im US-Aktienindex S & P-500 mit am schlechtesten ab, darunter Goldminen, Grundstoffe, Fluggesellschaften, Baukonzerne und Automobilhersteller.

„Die Zykliker liegen im Krankenlager“, sagt Michael Belkin, Chef der US-Beratungsfirma Belkin Ltd., die langfristige Prognosen für Markttrends an den Börsen erstellt. Seiner Meinung nach sind die Investoren im vergangenen Jahr größere Risiken eingegangen, weil sie sich auch höhere Chancen im Aufschwung versprochen haben. Das Jahr 2004 stehe dagegen stärker im Zeichen des Risikos. An der Börse zeige sich das im Kauf von defensiven Titeln, etwa Nahrungsmittel- und Getränkeaktien oder Papieren von Supermarktketten, Versorgern und Dienstleistern im Gesundheitswesen.

Die Rückkehr der defensiven Aktien lässt sich in Zahlen messen. Seit Jahresbeginn sind Verbrauchsgüterhersteller an der Börse um 2,8 % gestiegen, Gesundheits- und Energieversorger haben um 4,7 % beziehungsweise 3,9 % zugelegt. Zum Vergleich: Der marktbreite S&P-500-Index ist in dieser Zeit um 4,0 % Prozent gestiegen, der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte um 2,5 %. Auf der Verliererseite standen dagegen die Grundstoffbranche mit minus 1,7 % und Halbleiterproduzenten mit minus 1,6 %. Technologieaktien und sowie Einzelhandels- und Automobilhersteller konnten zwar zulegen, blieben aber unter dem Plus in den Indizes.

Experten warnen vor Ungleichgewichten

Aktuell herrsche Stillstand bei den Bonds und Aktien, weil die Anleger auf stärkere Wachstumssignale der Wirtschaft und mehr Klarheit über die Zinsstrategie der Notenbanken warteten, sagt David Brown, Chefvolkswirt für Europa bei Bear Stearns in London. Bei der Schweizer Großbank UBS erwartet man ein Wachstum von 4,5 % für die Weltwirtschaft in diesem Jahr, das wäre der höchste Wert seit 2000. Gleichzeitig warnen die UBS-Experten aber vor Ungleichgewichten. So könnte das Wachstum in den USA und in China in der zweiten Jahreshälfte nachlassen. Und das US-Haushaltsdefizit hänge wie ein Damoklesschwert über den Märkten.

Clive Mc Donnell, Europastratege bei S & P in London, betont, man müsse 2004 wissen, wann man abbremst. Er rät den Anlegern: „Realisieren sie jetzt Kursgewinne und gehen sie zu einer defensiveren Vermögensverteilung über.“ Er ist trotz dieses Ratschlags kein Schwarzmaler, vielmehr erwartet er für europäische Aktien noch einen Kursspielraum von 6 % bis 8 % in diesem Jahr.

James Montier, Chef-Aktienstratege bei Dresdner Kleinwort Wasserstein ist eher dem Pessimistenlager zuzurechnen. Weil die US-Notenbank nicht mehr von einem „beträchtlichen Zeitraum“ mit niedrigen Zinsen spreche, sei der Risikohunger der Investoren gezügelt. Als Belege für seine Annahme führt Montier mehrere Bewegungen an, darunter die Vernachlässigung zyklischer Titel, einen langsameren Rückgang der Rohstoffpreise und die Schwäche bei hochverzinslichen Rentenpapieren aus Schwellenländern und dem Unternehmensbereich. Bisher seien diese Rückgänge auf die speziellen Anlageklassen begrenzt geblieben. Doch Montier warnt vor den Folgen, wenn die Aversion gegen Risiken auch auf andere Anlageklassen überspringe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%