Stärke der Schweden-Krone belastet den Export
Fluch der Verlierer

Des einen Leid, des anderen Freud. Sicher: Schwedens Verbraucher können sich wohl bald über sinkende Preise für Jeans, Charterreisen und vielleicht auch Benzin freuen. Nach dem „Nein zum Euro“ bei der Volksabstimmung am 14. September ist die schwedische Krone gegenüber Dollar und Euro auf den höchsten Stand seit Ende 2000 geklettert. Dollarwaren werden für die schwedischen Verbraucher somit günstiger.

Für Schwedens Industrie gab es am Tag nach dem verlorenen Referendum dagegen ein böses Erwachen. Die Topmanager hatten nie verhehlt, dass sie den Euro wollten. Sie hatten massiv Werbung für die europäische Gemeinschaftswährung gemacht und für den Fall eines „Nein“ unruhige, sprich schlechte Zeiten für Schweden vorhergesagt. Ihr Hauptargument schien einleuchtend: Der Handel mit der Euro-Zone macht rund 50 % am gesamten Außenhandel aus, und um Währungsrisiken für die stark exportorientierte schwedische Industrie minimieren zu können, müsse der Euro her.

Nun, nachdem eine deutliche Mehrheit der Wähler das politische und wirtschaftliche Establishment niedergestimmt hat, müssen sich die Konzernchefs von Ericsson, Volvo und Co. sagen lassen, dass sie den Teufel an die Wand gemalt haben. Die schwedische Krone stünde besser da als die meisten anderen Währungen, höhnen die Gegner der Gemeinschaftswährung.

Doch noch mehr als der Vorwurf der Übertreibung schmerzt die schwedischen Unternehmen der Wegfall von wichtigen Exporteinkünften. Für den angeschlagenen Telekommunikationsriesen Ericsson, der einen Großteil seines Umsatzes in der Euro- und Dollarzone macht, kann die Kronenstärkung den ganz leicht spürbaren Aufschwung zunichte machen, ehe er richtig begonnen hat: Ein im Vergleich zur Krone um 10 % schwächerer Euro würde den Gewinn mit 800 Mill. Kronen (89,4 Mill. Euro) belasten. Ein 10 %-iger Dollarfall wird den Gewinn im kommenden Jahr sogar um rund das Doppelte schmälern. Bislang hat der Dollar gegenüber der schwedischen Währung um 8 % nachgegeben. Auch andere exportabhängige Konzerne wie Volvo, Scania, Electrolux, SKF und Atlas Copco müssen wegen der stärkeren Krone ihre Gewinnprognosen für das kommende Jahr zurücknehmen. Das könnte das Wachstum in Schweden treffen, Arbeitsplätze wären in Gefahr.

Doch jede Medaille hat zwei Seiten: Die skandinavische Fluggesellschaft SAS etwa zählt zu den Gewinnern der Dollar-Schwäche. Der Konzern hat hohe Dollarausgaben durch den Treibstoff- und Flugzeugkauf. Nach internen Berechnungen kann der Konzern bei einem 10 % schwächeren Dollar jährlich rund 700 Mill. Kronen sparen.

Auch Finanzminister Bosse Ringholm, selbst ein Euro-Befürworter, beobachtet den aktuellen Höhenflug der Krone mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Die Auslandsschulden verringern sich um rund 11 Mrd. Kronen, wodurch auch die Zinskosten sinken. Außerdem würde Schweden nach dem jetzigen Stand 2004 rund 200 Mill. Kronen weniger an EU-Abgaben zahlen müssen. Gute Nachrichten für den obersten Kassenwart.

Doch seine Freude wird nur von kurzer Dauer sein. Die Nachteile, die die Außenseiterrolle des Landes mit sich bringt – ein gebremstes Wachstum, eine niedrigere Beschäftigungsrate und damit auch geringere Steuereinnahmen – wiegen stärker als die kurzfristigen positiven Effekte der Kronenstärkung. Und noch etwas: Der Anstieg der Krone, da sind sich fast alle Experten einig, liegt nicht wie einige Euro-Gegner behaupten an dem „Nein zur Gemeinschaftswährung“, sondern an der Schwäche des Dollar.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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