Stahlwerte
Bulle & Bär: Schwermetall hat Zukunft

Schwermetall scheint momentan nur in einer Form angesagt: Die Altrocker von AC/DC, Metallica und sogar Guns n' Roses stürmen mit ihren neuen Longplayern, die gerade oder in Kürze erscheinen, die Charts. An der Börse sind die lange so beliebten Schwermetaller indes seit Monaten megaout.

FRANKFURT. Herrschte lange Zeit die Frage, wie lange dort der Abwärtstrend noch anhalten wird, so scheint zumindest dies geklärt: Die Aktienkurse von Arcelor-Mittal oder den deutschen Branchenführern Thyssen-Krupp und Salzgitter haben die Talsohle erreicht. Alle drei Werte haben seit dem Frühjahr jeweils gut zwei Drittel an Wert verloren. Stahlhändler Klöckner & Co. hat sogar fast drei Viertel des Kurses von Anfang Juni eingebüßt.

Wobei durchaus die Frage gestellt werden muss, ob dies angemessen ist. Der Stahlboom der vergangenen Jahre ist zwar vorbei, dennoch stehen die Rückgänge der Auftragseingänge in keinem Verhältnis zu den Kursrückgängen. Schwergewichte wie Arcelor-Mittal, Corus oder Salzgitter haben wegen der rückläufigen Nachfrage bereits Produktionssenkungen von mehr als 30 Prozent angekündigt. Den Aktienkursen dieser Unternehmen können solche Hiobsbotschaften indes nicht mehr allzu viel Schaden anrichten. Thyssen-Krupp beispielsweise notiert im Moment bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von historisch niedrigen 3,5 und ist damit der zweitgünstigste Dax-Wert überhaupt. Nur Hypo Real Estate unterbietet diese Zahl noch, rangiert in puncto Ansehen und öffentlicher Wahrnehmung aber weit hinter den Stahlkochern.

Bleiben die Fragen, wie und warum es zu diesen Kursturbulenzen in einer an sich völlig unspektakulären Branche kommt. Jahrelang kümmerte sich an den Aktienmärkten kein Mensch um diese Unternehmen. Erst mit dem Aufschwung der Schwellenländer, deren enormem Bauboom und Rohstoffhunger erwachte das Interesse an der Branche mit dem Dreck- und Schweiß-Image. Und weil zu dieser Zeit in bis dato nicht da gewesener Form Liquidität um die Welt schwirrte, die nach Anlagemöglichkeiten suchte, floss extrem viel davon auch in diesen Sektor. Dass sich beispielsweise eine bis dato weitgehend unbeachtete Salzgitter-Aktie zwischen 2005 und 2007 versiebenfachte und damit urplötzlich sogar zum Dax-Kandidaten mutierte, war Ausdruck einer noch größeren vehementen Übertreibung als der jetzige Kurseinbruch. Der wurde nur noch beflügelt, weil das ganze "verrückte Geld", wie es im vergangenen Jahr noch mancherorts genannt wurde, nun aus der Branche abgezogen wird.

Was die Märkte im Moment bei Stahlwerten erleben, ist eine Rückkehr zur Normalität, die Anlegern mit Langzeitgedächtnis viele Chancen eröffnet. Dass Schwermetall nicht tot zu kriegen ist, zeigen indes die jüngsten Veröffentlichungen der Jungs mit den langen Haaren und dem Hörschaden. AC/DC führen schließlich mit ihrem neuen Album "Black Ice" seit Wochen die deutschen Charts an.

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