Starker Rand belastet südafrikanische Rohstoffwerte
Angloplats Gewinnwarnung schockt die Anleger

Wer vor zwölf Monaten Platinaktien kaufte, wird sich jetzt vermutlich die Haare raufen. In kaum einer anderen Branche ist die Kluft zwischen kühnen Vorhersagen und dem tatsächlichen Abschneiden der Titel so groß wie hier.

KAPSTADT. Obwohl der Platinpreis im Februar mit über 700 Dollar pro Unze zeitweise auf seinen höchsten Stand in 23 Jahren schnellte, sind die Aktien der Produzenten in den vergangenen zwölf Monaten im Schnitt um fast 50 % gefallen.

Die jüngste Hiobsbotschaft erschütterte den Markt Ende der vergangenen Woche, als der weltweit größte Platinförderer Anglo Platinum (Angloplat) davor warnte, dass sein Gewinn im ersten Semester deutlich tiefer als im gleichen Zeitraum des Vorjahres ausgefallen sei. Das Unternehmen erwartet demnach einen Halbjahresgewinn von 1,05 Mrd. Rand (192 Mill. Schweizer Franken) – ein Einbruch von rund 60 % gegenüber den 2,6 Mrd. Rand, die im gleichen Zeitraum des Vorjahrs erwirtschaftet wurden. Obwohl Angloplat in der zweiten Jahreshälfte mit erheblich höheren Einkünften als in den ersten sechs Monaten rechnet, dürfte das Jahresergebnis ebenfalls markant unter dem des Vorjahres liegen. Als Reaktion auf die unerwartet deutliche Revision der Gewinnprognosen fielen die Angloplat-Aktien in den letzten Tagen deutlich.

Für den neuen Konzernchef von Angloplat, Ralph Havenstein, hätte der Einstieg kaum schlimmer verlaufen können. Den Anlegern bereitet vor allem die Frage Sorge, ob Angloplat und die anderen südafrikanischen Produzenten, die weltweit 70 % des weißen Metalls fördern, ihre ehrgeizigen Expansionsziele erreichen oder ob es in den nächsten Quartalen zu immer neuen Korrekturen nach unten kommt.

Sollten die selbst gesteckten Vorgaben nicht erfüllt werden, könnte der Platinpreis wegen möglicher Engpässe weiter steigen und die Verbraucher womöglich zu einem Umstieg auf andere Edelmetalle verleiten. Selbst eine Rückkehr der Industrie zum Schwestermetall Palladium, das derzeit nur ein Drittel so viel wie Platin pro Unze kostet, wird inzwischen nicht mehr ausgeschlossen.

Havenstein, der vor seinem Wechsel zu Angloplat 24 Jahren für den südafrikanischen Öl- und Petrochemiekonzern Sasol arbeitete, bestreitet die düsteren Prognosen: Aller Unkenrufe zum Trotz glaubt der 47-Jährige, die Produktion in den nächsten fünf Jahren von 2,2 auf 3,5 Mill. Unzen steigern zu können. Gegenwärtig gehen rund 30 % des weltweit geförderten Platins auf das Konto von Angloplat. Nach der Expansion dürfte dieser Anteil auf 35 % steigen. Für das laufende Jahr erwartet Havenstein eine Gesamtproduktion des Konzerns von 2,3 Mill. Unzen, was nur wenig unter den ursprünglich veranschlagten 2,4 Mill. Unzen liegt.

Der Sohn deutscher Eltern, der die vergangenen zwei Jahre für Sasol in Deutschland verbrachte, um dort die Eingliederung der Chemiegruppe Condea zu überwachen, ist kein Bergbauspezialist. Doch er wird von Analysten wegen seiner Bescheidenheit und seiner bei Sasol unter Beweis gestellten Kompetenz als Manager geschätzt.

Wie die anderen Rohstoffkonzerne leidet Angloplat unter dem starken Rand, der nach der letztjährigen Steigerung von 40 % dieses Jahr weitere 13 % gegenüber dem Dollar zugelegt hat. Die Minenkonzerne leiden darunter gleich zweimal, weil sie ihre Kosten in Rand abrechnen, ihre Erlöse jedoch in Dollar erhalten. Eine zusätzliche Belastung liegt in der geplanten Royalty Bill, die es den Platinförderern zur Auflage machen könnte, künftig eine Extrasteuer von 4 % auf ihren Umsatz zu entrichten.

Die weitere Entwicklung der Angloplat-Aktien wird in erster Linie davon abhängen, ob das Bergbauhaus Anglo American den bereits auf 70 % erhöhten Anteil am Platinhaus aufstockt oder sich, wie es am Markt heißt, mit einer Obergrenze von 75 % zufrieden gibt. Die Mehrheit der Analysten glaubt an Letzteres.

Die langfristigen Aussichten für Platin sind jedenfalls nach wie gut. Zwar hat sich die Nachfrage im Elektroniksektor zuletzt leicht abgeschwächt, doch halten die Autoproduzenten an dem Metall fest. Ebenso wichtig ist die hohe Nachfrage im Schmuckbereich. Für Anleger, die ihr Kapital eher langfristig anlegen wollen, sind Angloplat deshalb weiterhin attraktiv, zumal die jetzige Bewertung in keiner Weise den noch unerschlossenen Platinvorkommen des Unternehmens und seinem guten Cash-Flow Rechnung trägt.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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