Steuervorteile bei Fonds stehen auf wackeligen Füßen
Nicht provozieren!

Niemand zahlt gerne Steuern. Schon gar nicht, wenn sie fast die Hälfte des Einkommens aufzehren. Doch die Chancen deutscher Spitzenverdiener, ihre Abgaben durch steuermindernde Anfangsverluste geschlossener Fonds zu minimieren, sinken stetig. Sonderabschreibungen sind weggefallen; die Möglichkeit, Verluste mit positiven Einkünften in anderen Einkunftsarten zu verrechnen, wurden eingeschränkt und Nebenkosten beim Fondserwerb lassen sich kaum noch steuerlich geltend machen.

Dennoch spielen die Anbieter so genannter Steuersparmodelle mit dem Fiskus weiter Räuber und Gendarm. Verlieren sie im Einzelfall, trifft es die Anleger – so etwa kürzlich die eines Filmfonds des Anbieters Ideenkapital. Das Finanzamt nahm anfänglich positive Aussagen zum neuen, von anderen Fonds abweichenden Konzept zurück. Die Anleger müssen nun für das Jahr 2003 mehr Einkommen versteuern als angenommen. Gerüchte sagen, der Fonds sei ein Opfer der Politik geworden. Die hatte angeblich das Gefühl, an der Nase herumgeführt zu werden, weil mit dem Konzept ihr gerade veröffentlichter Medienerlass umgangen worden wäre. Dieser Erlass verschärft die Bedingungen für die Anerkennung von Verlusten aus Fonds, die Filme herstellen.

Ob das Gerücht stimmt oder nicht – manches Steuersparmodell müssen Politik wie Finanzverwaltung als Provokation empfinden. Während es dem Finanzminister gelungen ist, beim Gros der geschlossenen Fonds die steuermindernden Anfangsverluste auf unter 50 Prozent zu senken, schießen Medienfonds weit darüber hinaus. Hannover Leasing wird demnächst einen Fonds anbieten, der rund 190 Prozent Verlust auf die Bareinlage bietet, weil ein Teil der Einlage durch ein Darlehen finanziert werden muss. Zudem sichern Filmfonds oft auch noch die Einlagen bis zu 100 Prozent ab. Das widerspricht dem Gedanken, nur diejenigen mit Steuervorteilen zu belohnen, die besondere Risiken eingehen.

Selbstverständlich tun Filmfondsanbieter und ihre Steuerberater im Vorfeld alles, um den Segen des Finanzamtes für ihr Modell zu bekommen. Doch seit es von den Finanzämtern keine verbindlichen Auskünfte für Steuersparmodelle mehr gibt, ist die Anerkennung der Verluste bis zur Betriebsprüfung nach etwa drei Jahren nur vorläufig.

Selbstverständlich ist das Argument der Anbieter richtig, dass gar keine Steuern gespart werden, sondern nur deren Zahlung auf später verschoben wird, wenn die Anleger die – hoffentlich eintreffenden – Gewinne versteuern. Nur: Zwischenzeitlich kann der Fondszeichner die vorläufig ersparten Steuern gewinnbringend anlegen. Gleichzeitig vergrößern die dadurch bedingten Steuermindereinnahmen das Staatsdefizit. Die Kosten dafür trägt die Allgemeinheit.

Wo es hinführen kann, wenn man die Finanzverwaltung provoziert, lässt sich beispielsweise an Schiffsbeteiligungen ablesen. Dass ein Schiff nach zwölf Jahren voll abgeschrieben ist – wie es seinerzeit eine amtliche Tabellen erlaubte –, aber dann noch für die Hälfte des Neupreises verkauft wird, leuchtete der Finanzverwaltung nicht ein. Heute gibt es keinen Tabellenwert mehr. Die Abschreibungsdauer wird nun aus Vorsichtsgründen länger gewählt. Die Zeit des so genannten Kombinationsmodells, das es erlaubt, zuerst Verluste geltend zu machen und später zur äußerst niedrigen Tonnagesteuer zu wechseln, läuft aus. Und Versuche, die beim Wechsel zu ermittelnde und später zu besteuernden stillen Reserven klein zu rechnen, führen oft zu Konflikten mit den Finanzämtern.

Die Anleger müssen mit dem Risiko leben, dass ihnen Politik oder Finanzverwaltung bis zur Betriebsprüfung Steuervorteile nehmen können. Auf dem Kapitalmarkt gilt: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Für alle Steuersparmodelle könnte gelten: Je höher die Verluste, desto größer das Risiko, dass sie nicht anerkannt werden.

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