Streit mit Kartellamt lässt Aktionäre kalt
Eon am Pranger

Kartellamtspräsident Ulf Böge hat Eon im Visier. Der Wettbewerbshüter geht entschlossen gegen Deutschlands größten Energiekonzern und dessen Tochter Ruhrgas vor.

HB DÜSSELDORF. In seinen Augen tragen Eon und Ruhrgas die Hauptschuld an dem schleppenden Wettbewerb auf dem deutschen Gasmarkt. Mit aller Gewalt will er in den nächsten Monaten deren Marktmacht brechen.

Und wie reagiert die Börse auf die negativen Schlagzeilen? So gut wie gar nicht. Vor einer Woche, als der Konflikt eskalierte und Böge dem Konzern mit harten Sanktionen drohte, legte die Eon-Aktie sogar deutlich zu. Der Streit interessierte die Anleger offenbar nicht. Viel wichtiger erschien ihnen die Nachricht, dass die Grünen vermutlich nicht an der nächsten Bundesregierung beteiligt werden. Die Aussicht, dass unter einer CDU/SPD-Regierung der Ausstieg aus der Atomenergie doch noch revidiert werden könnte, beflügelte den Aktienkurs. Und auch in der Zwischenzeit hielt sich die Aktie auf hohem Niveau – obwohl der Streit zwischen Böge und Eon-Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann weiter für reichlich Schlagzeilen sorgte.

Sind die Aktionäre gelassen? Oder sind sie nur unsicher, welche Auswirkungen die Initiative des Kartellamtes für das Geschäft von Eon haben wird? Vermutlich trifft Letzteres zu. Noch ist unklar, wer als Sieger aus dem Streit hervorgeht – Böge oder Bergmann – und ob Eon Marktanteile an seine Konkurrenten abgeben muss.

Solange diese Unsicherheit bleibt, steht ein Fragezeichen hinter der Aktie. Doch nachhaltig bestimmt wird die Kursentwicklung von anderen Themen. Dem Atomausstieg etwa, von dem Eon wie RWE massiv profitieren könnten, den guten Geschäftszahlen, die Eon Quartal für Quartal präsentiert, oder von der Frage, was der Konzern denn jetzt tatsächlich mit seiner prall gefüllten Kasse macht. Kauft er einen großen Versorger wie Scottish Power, oder erfreut er seine Aktionäre mit einer Sonderdividende?

Kartellamtschef Böge attackiert Eon zwar an einem wunden Punkt. Er will die langfristigen Gasverträge verbieten, mit denen der Konzern Stadtwerke bislang bis zu 25 Jahre lang an sich gebunden hat. Gelingt ihm das, muss Eon um seine wichtigsten Kunden kämpfen. Konkurrenten dürften versuchen, dem Platzhirschen Marktanteile abzujagen. Und vor Gericht dürften die Langfristverträge nicht Bestand haben, sagen Kartellexperten.

Die Frage ist aber, wie schnell Böge die Strukturen aufbrechen kann. Nachdem die Verhandlungen über einen Kompromiss gescheitert sind, droht eine langwierige juristische Auseinandersetzung. Böge wird in wenigen Wochen Untersagungsverfügungen gegen Eon erlassen. Der Konzern kann dagegen eine Beschwerde beim Oberlandesgericht einreichen. Spannend für Eon und die Aktionäre wird es erst in ein paar Monaten. Dann wird das Gericht zu entscheiden haben, ob Böge seine Untersagungsverfügungen per Sofortvollzug – schon vor einem endgültigen Urteil – umsetzen darf. Das kann und wird er beantragen, die Hürden liegen aber sehr hoch. Gelingt ihm das, würden zahlreiche alte Verträge, die Eon Ruhrgas mit Stadtwerken geschlossen hat, geöffnet, und die Kommunalversorger könnten sich neue Anbieter suchen.

Die Aktie dürfte unter Druck geraten. Lehnt das Gericht den Sofortvollzug ab, wird es dagegen Jahre dauern, bis ein höchstrichterliches Urteil des Bundesgerichtshofes vorliegt. Bis dahin dürften viele Verträge ohnehin auslaufen, und Eon könnte sich in Ruhe auf den Angriff seiner Konkurrenten vorbereiten. Die Aktionäre könnten in der Tat gelassen die Entwicklung verfolgen.

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