Stürzt der DAX?: Die Schwarzseher

Stürzt der DAX?
Die Schwarzseher

Die 6000 Punkte werden fallen. Nächste Woche. Das zumindest sagen die Schwarzseher, die sich der Elliot-Wellen-Schule zurechnen lassen. Die kriselnde Gesamtlage könnte ihnen jetzt Recht geben.
  • 0

FrankfurtDer Countdown läuft: In den nächsten Wochen wird der Deutsche Aktienindex unter die Marke von 6000 Punkten fallen. Das sagen zumindest Querdenker wie Heribert Müller. Der unabhängige Analyst und Chef seiner eigenen Beratungsfirma ist ein Elliott-Wellen-Fan. Für die Vertreter dieser Denkschule handeln die Akteure nach psychologischen Motiven wie Furcht und Gier, erzeugen damit Börsenwellen, sprich Trends, die sich vorhersagen lassen.

Die Prognosen der Wellenreiter schienen in den vergangenen Monaten von einem anderen Stern, denn Mehrheitsmeinung und Markttrends passten nicht dazu. Die meisten Analysten haben weiterhin Angst vor Inflation, trommeln für Aktien und Rohstoffe, sehen Anleihen als gefährdet an. Selten in der Börsengeschichte war der Aktienoptimismus so groß wie in den vergangenen Monaten.

Und dann das: Nordafrika brennt. Plötzlich steht die heile Anlegerwelt infrage. Wichtige Märkte sind rasant schnell gekippt. Der Ölpreis ist in dieser Woche um 15 Prozent nach oben geschossen, der Dax ist nach einem Fall von sieben Prozent auf die 7100er-Marke aufgeschlagen. Rund um den Globus ähneln sich die Bilder an den Börsen. Der international bekannte Vermögensverwalter Marc Faber hat jetzt eine Verkaufsparole für Aktien ausgegeben.

Muss die Mehrheit sich von ihren schönen Szenarien verabschieden? Sollte tatsächlich die Zeit der „Andersdenker“ angebrochen sein, können Anleger die gängigen Empfehlungen vergessen. Denn dann würden viele Kauflisten zu Verkaufslisten mutieren – und natürlich umgekehrt.

Geopolitik und Schuldenkrise mahnen zur Vorsicht

Ein Blick in die Welt der Querdenker lohnt, auch wenn man am Ende den schwerverdaulichen Ausblicken nicht folgen mag. Wellenreiter Müller sieht Aktien jetzt auf Talfahrt, glaubt im Jahresverlauf sogar an einen Dax unter 5000 Zählern. Auch bei den anderen Börsen und den hochgelobten Schwellenländern geht sein Daumen nach unten. Ebenfalls Kopfschütteln bei Rohstoffen, mit einer Ausnahme: Agrargütern. Immerhin gibt er ein klares Kaufsignal für eine populäre Vermögensform: Staatsanleihen. Die Kurse der Bundesanleihen sollen steigen.

Wer das Wellenreiten als Hokuspokus abtun möchte, der sollte zumindest eines nicht vergessen: Das Risikopotenzial in  Nordafrika und dem Mittleren Osten ist real. Eine Eskalation der Lage ist nicht in den Kursen enthalten. Und ganz nebenbei schwelt die Schuldenkrise weiter. Vorsicht ist absolut angebracht. Und eines scheint sicher: Die Zeit geringer Schwankungen an vielen Märkten ist vorbei.

Kommentare zu " Stürzt der DAX?: Die Schwarzseher"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%