Suche nach Extra-Zinsen
Magere Zitterprämien bei hybriden Anleihen

Auf der Suche nach attraktiven Extra-Zinsen werden Investoren inzwischen auch bei so genannten hybriden Unternehmensanleihen nicht mehr so leicht fündig. Die Papiere kamen vor zwei Jahren in Mode. Die Ratingagenturen begannen damals damit, bei Unternehmen Hybrid-Anleihen zum Teil auf das Eigenkapital anzurechnen und machten so die Emissionen für viele Firmen attraktiv.

FRANKFURT. Möglich ist die Anrechnung auf das Eigenkapital aus mehreren Gründen. Hybride Anleihen sind nachrangig, das heißt, im Insolvenzfall werden ihre Besitzer erst nach allen anderen Gläubigern bedient. Die Papiere haben eine sehr lange, teils auch unendliche Laufzeit. Die Firmen geben dabei aber an, dass sie die Papiere nach einer bestimmten Zeit - meist zehn Jahren - vorzeitig tilgen können. Machen sie dies nicht, steigt die Verzinsung und ändert sich von fest auf variabel. Die Zinszahlungen können aber ausgesetzt werden, wenn ein Unternehmen zum Beispiel keine Dividende zahlt. Außerdem dürfen die Spezial-Bonds nur durch Eigenkapital oder neue hybride Zinspapiere abgelöst werden.

Für diese erhöhten Risiken bieten die Zwitterpapiere zwischen Fremd- und Eigenkapital höhere Zinsscheine als normale Bonds. Die Kurse der Hybriden sind aber - gerade nach den Einbrüchen im vergangenen Sommer - wieder kräftig gestiegen, so dass die tatsächlichen Renditen nicht mehr so deutlich über denen von sicheren Staatsanleihen liegen, die inzwischen ja auch schon wieder um die vier Prozent Rendite bringen.

So rentierte zum Beispiel die hybride Anleihe von Bayer im Juni noch mit 7,6 Prozent, jetzt bringt sie nur noch 5,8 Prozent. Die Spezial-Bonds werfen zwar immer noch mehr Rendite ab als herkömmliche Firmenanleihen mit guten Ratings, doch dafür werden sie auch schlechter bewertet. Die Ratingagenturen vergeben für die hybriden Anleihen zwei bis drei Stufen schlechtere Bonitätsnoten als für andere Bonds. Deshalb werden viele hybride Papiere - zum Beispiel von Bayer, Linde oder Südzucker anders als die Firmen selbst - zum Teil im Non-Investment-Grade für riskante Anlagen eingestuft.

Die größten Gefahren für Anleger liegen darin, dass sie nicht wissen, wann sie ihr Kapital zurückbekommen und ob die Zinszahlungen ausfallen. So mussten die Anleger der hybriden Tui-Anleihe schon um ihre Zinsen fürchten, weil der Konzern in diesem Jahr keine Dividende zahlt. Das Tui-Management beeilte sich zwar zu erklären, dass die Zinsen auf das hybride Papier freiwillig gezahlt werden; ob dies jedoch auch weiter so sein wird, ist ungewiss.

Auch bei den avisierten vorzeitigen Rückzahlungen gibt es Fragezeichen. Bei steigenden Kapitalmarktzinsen könnte es für die Firmen günstiger sein, die Papiere weiterlaufen zu lassen. Angesichts dieser Unsicherheiten sollten Anleger die Risikoaufschläge vergleichen und im Zweifelsfall auf günstigere Einstiegszeitpunkte, sprich wieder höhere Renditen warten.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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