Südafrika im Blick
Nach der WM ist vor der WM

Elf Millionen Deutsche haben vergangene Woche in der ARD „Deutschland. Ein Sommermärchen“ gesehen. Aktive Fußballer bekamen mit, dass die Traineransprachen in der Kabine während einer Weltmeisterschaft auch nicht gehaltvoller sind als in der Kreisliga. Der Rest der Bevölkerung konnte sich noch einmal an Spielen, bester Stimmung und tollem Wetter satt sehen. Doch das Beste kommt erst noch.

FRANKFURT. Glaubt man den Datenbanken von Eurofonds, dann ziehen die Renditen in Deutschland in den nächsten zwei bis drei Jahren nochmal gehörig an. Zumindest dann, wenn es so kommt wie in der Vergangenheit.

Denn die Zahlen seit 1965, also einem Jahr vor der WM in England, belegen, dass sich im jeweiligen Gastgeberland ab dem Zeitpunkt von drei Jahren vor einem Turnier bis etwa drei Jahre danach überdurchschnittliche Renditen erzielen ließen.

Nun wissen wir also, warum sich der Dax in diesem Jahr weltmeisterlich präsentierte und weit bessere Renditen lieferte als alle namhaften Indizes weltweit. Über 20 Prozent hat das Barometer seither an Wert gewonnen. Beinahe selbstverständlich mutet es an, dass gestern wieder ein neues Jahreshoch erzielt wurde.

Aber im Ernst: Dass das Ausrichterland von dem Mega-Ereignis profitiert, überrascht nicht. Heute noch weniger als vor Jahrzehnten, weil PR-Maschinerie, Medien und Internet die WM zu einem weitaus größeren Event „hoch sterilisieren“, wie der gemeine Fußballer es nennt, als dies vor Jahrzehnten der Fall war.

Neu ist aber, dass sich bereits drei Jahre vor dem nächsten Turnier Überrenditen erzielen lassen. So gesehen, müsste sich der Blick der Anleger ab dem kommenden Jahr auf Südafrika richten, wo 2010 die nächste WM stattfindet. Fondsmanager wie Georg Wolf von SJB Fonds Skyline setzen daher schon heute auf den Staat am Kap. Dafür haben sie handfeste Gründe: Die staatliche Investitionsquote steigt seit 2004 um jährlich neun Prozent, auf der globalen Rangliste des Bruttoinlandsproduktes (BIP) steht man schon auf Rang 24 und die Börse hat die mit Abstand größte Liquidität und Breite in ganz Afrika.

Alles Argumente, die nicht von der Hand zu weisen sind. Doch was wird aus der Theorie, wenn der Weltfußball-Verband FIFA die Notbremse zieht und Südafrika die WM irgendwann wieder wegnimmt. Das wird immer wieder mal kolportiert, vor allem mit Hinweis auf große organisatorische Mängel. Den Fall und die daraus entstehenden Folgen für den Kapitalmarkt im Ausrichterland gab es in der Geschichte noch nie.

Eher schon eine andere Erkenntnis: Spätestens im Jahr drei nach einer WM ist es an der Zeit, sich vom Kapitalmarkt des einstigen WM-Landes zu verabschieden. Hätten dies Anleger in Argentinien-Anleihen – dem WM-Land 1978 – in den Achtzigern beherzigt, wäre ihnen in den Neunzigern vieles erspart geblieben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%