Südafrikanische Währung ist außer Rand und Band
Muskelspiele am Kap

Jahrelang war der südafrikanische Rand für die Karikaturisten am Kap eine Zielscheibe par excellence. In den vergangenen beiden Jahren hat der Rand Muskeln bekommen und wirkt nun zeitweise wie gedopt.

KAPSTADT. Jahrelang war der südafrikanische Rand für die Karikaturisten am Kap eine Zielscheibe par excellence: Zumeist wurde die Währung als ein Hempfling porträtiert, den zwei Muskelprotze – der Dollar und das britische Pfund – übel zurichten. Hohn und Spott erreichten Ende 2001 ihren Höhepunkt, als der Rand nach allen Regeln der Kunst einbrach und kurzzeitig auf ein Allzeit-Tief von 13,85 Rand je Dollar fiel. Kaum jemand gab damals noch einen Pfifferling auf die Weichwährung vom Kap, am allerwenigsten die Südafrikaner selbst.

Wie sich das Blatt wenden kann: In den vergangenen beiden Jahren hat der Rand Muskeln bekommen und wirkt nun zeitweise wie gedopt. „The rand on steroids“ jubeln nun stolz die nationalen Gazetten. Weltweit war der Rand in den vergangenen zwölf Monaten die mit Abstand stärkste Währung zum Dollar. Nachdem die südafrikanische Währung bereits 2002 fast 40 Prozent und 2003 weitere 25 Prozent zum Dollar wettgemacht hatte, hat sie dieses Jahr weitere 13 Prozent zugelegt und ist Anfang vergangener Woche zeitweise bis auf 5,85 Rand je Dollar gestiegen. Zuletzt hatte sich der Rand im Januar 1999 auf diesem Niveau befunden. Für einen Euro werden gegenwärtig 7,40 Rand gezahlt.

Die Gründe für die Kehrtwende sind schnell ausgemacht: Hauptursache sind die hohen Rohstoffpreise, von denen Südafrika, genauso wie die Bergbauländer Australien oder Kanada, profitiert. Schließlich machen Rohstoffe noch immer fast 40 Prozent der Exporterlöse vom Kap aus und stützen die Währung. Daneben lockt Südafrika Anleger aus aller Welt mit einem attraktiven Realzins von fast vier Prozent. Wer das Risiko einer stärkeren Randkorrektur nicht scheut, kann sich in den USA oder Europa noch immer billig Geld borgen und damit Anlagen am Kap finanzieren. Je länger der Rand zulegt, desto größer das Vertrauen der Anleger.

Inzwischen hat der schier unaufhaltsame Höhenflug des Rands vor allem bei den vielen Exporteuren aber zu tiefen Sorgenfalten geführt. Besonders hart gebeutelt wird die Goldindustrie, deren Minen teuer sind. Während ihre Abbau und Lohnkosten in (starken) Rand anfallen, fließen die Erlöse für das Edelmetall in (schwachen) Dollar. Bei dem gegenwärtigen Kurs machen die meisten Minen keine Gewinne mehr. Schlimmer noch: mehr als die Hälfte schreibt Verluste. Ebenso schwer leiden neben dem Tourismus auch die Frucht-, Wein- und Textilbranche. Hier brauchen Unternehmen wegen der hohen Lohnkosten einen Rand von etwa 8,50 je Dollar, um Geld zu verdienen. Aber von einem solchen Kurs ist der Rand weit entfernt – und wenig deutet auf einen plötzlichen Absturz hin.

Gleichwohl hat die starke Währung auch ihre guten Seiten. Viel zu lange haben Unternehmen auf einen fallenden Rand gesetzt und sogar gegen die eigene Währung spekuliert. Nun müssen sie ihre Wettbewerbsfähigkeit erkämpfen, was die Effizienz erhöht. Die billigen Importe von Computern und Hifigeräten haben zudem einen Konsumboom ausgelöst und das Zutrauen der Verbraucher gestärkt.

Noch mehr als über die Stärke klagt die Geschäftswelt indes über die extremen Schwankungen der Währung. Allein in diesem Jahr lagen zwischen ihrem Höchst- und und Tiefstand mehr als 20 Prozent. Daran wird sich schon deshalb wenig ändern, weil der Rand die liquideste Währung aller Emerging Markets ist – der tägliche Umsatz an den Devisenmärkten liegt bei fast elf Mrd. Dollar.

Während die Karikaturisten ob des neuen Materials wieder jubeln, rauft sich die Wirtschaft die Haare. Denn hier wünscht man sich nach der Achterbahnfahrt der letzten Jahre nichts mehr als eine stabile Währung.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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