Südafrikas Brauerei bleibt auf Einkaufstour
SAB schluckt

Wer wie die South African Breweries (SAB) im Hellbiermarkt seiner Heimat einen Anteil von rund 98 % hat, müsste sich eigentlich auch einmal auf die faule Haut legen dürfen.

KAPSTADT. Vor allem wenn man wie SAB in Südafrika nicht nur den Gerste-Anbau und die Hopfenlese kontrolliert sondern auch die Mälzereien und die Flaschenproduktion. Biere, Limonaden, Fruchtsäfte und Sodawasser – fast nirgends gibt es in den Kühlschränken am Kap ein Getränk, das nicht aus dem SAB-Depot stammt.

Statt sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, hat SAB nach dem Ende der Apartheid vor zehn Jahren eine beispiellose Metamorphose vollzogen. Von einem südafrikanischen Bierkonzern ist er in Rekordzeit ohne Konkurrenz zum globalen Koloss mutiert, der heute fast in jedem größeren Schwellenmarkt aktiv ist. Allein in China besitzt SAB zusammen mit lokalen Partnern 26 Brauereien und schreibt als einer von ganz wenigen westlichen Brauern schwarze Zahlen. Besonders stark ist das Unternehmen aber in Afrika und Osteuropa.

Doch der größte Coup liegt mittlerweile 18 Monate zurück. Damals schluckten die Südafrikaner per Aktientausch für 5,6 Mrd. Dollar den zweitgrößten US-Bierkonzern Miller. Seitdem firmieren die beiden unter dem Namen SAB Miller und sind hinter dem US-Spitzenreiter Anheuser Busch (Topmarke Budweiser) zum zweitgrößten Bierbrauer der Welt aufgestiegen. Die Zahlen sprechen für sich: 42 000 Mitarbeiter in 40 Ländern, 122 Mill. Hektoliter Jahresproduktion und allein in den sechs Monaten bis Ende September 2003 ein Umsatz von 6,3 Milliarden Dollar. SAB Miller braut im Jahr mehr Bier als die rund 1 300 deutschen Brauereien zusammen.

Kein Wunder, dass die Megabrauerei vom Kap vor Selbstvertrauen geradezu strotzt. Das Motto des Konzerns im Zeitalter der Globalisierung ist simpel: fressen oder gefressen werden. Anders als viele deutsche Brauereien gibt SAB Miller der ersten Variante den Vorzug. Doch der dicke Brocken Miller erwies sich als äußerst zäh. Miller hat in den letzten Jahren in den USA konstant Marktanteile an den Spitzenreiter Anheuser Busch verloren. Immer öfter fragt die Analystenriege deshalb mit tiefen Sorgenfalten, ob sich SAB an dem Zukauf von Miller nicht womöglich übernommen und leichtfertig die Zukunft des Unternehmens aufs Spiel gesetzt hat. Einige wie James Williamson von SG Securities sind sogar der Ansicht, dass sich am Erfolg oder Misserfolg von Miller das Schicksal des Konzerns entscheiden werde.

Problematisch ist für die Südafrikaner in der Tat, dass in den USA weniger die Kosteneffizienz wie in den Schwellenmärkten als die erfolgreiche Vermarktung unterschiedlicher Biersorten zählt – ein Feld, in dem SAB gerade wegen seiner Monopolstellung im heimischen Hellbiermarkt wenig Erfahrung hat. Skeptiker fühlten sich in ihren Vorbehalten aber auch bestätigt, als SAB vor ein paar Monaten einräumte, dass die Probleme bei Miller tiefer lägen als ursprünglich vermutet – und ein Turnaround deshalb wohl drei Jahren dauern würde.

Inzwischen haben die neuen Konzernherren vom Kap das US-Management von Miller durch ein südafrikanisches ersetzt. Die ersten Erfolge stellen sich bereits ein: So hat sich die Schlüsselmarke Miller Light zuletzt besser verkauft. Die meisten Analysten gehen nun davon aus, dass sich Lage bei Miller zumindest konsolidiert und der Verlust an Marktanteilen gestoppt ist. Auch weisen Optimisten mit Recht darauf hin, dass Miller nur etwa 20 % zum Geschäft der Gruppe beiträgt.

Trotz der Probleme in den USA wird der Konzern von Analysten gedrängt, sein Augenmerk auch künftig verstärkt auf Märkte mit harter Währung zu richten. Dies könnte zu einem Einstieg von SAB Miller bei der Holsten Brauerei führen. Dafür spricht auch, dass der Konzern erst im März den zweitgrößten italienischen Bierproduzenten Birra Peroni schluckte, obwohl er den Südafrikanern ähnliche Probleme wie der Zukauf von Miller bescheren könnte.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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