Teuerungsraten
Nicht alles auf Inflation setzen

Kommt die große Geldentwertung oder nicht? Für Anleger sollte diese Frage keine große Rolle spielen. Wer ein ausgewogenes Depot sein Eigen nennt, muss sich auch nicht zu sehr vor der möglichen Geldentwertung fürchten.

FrankfurtWie schlimm wird es denn nun mit der Inflation? Viele Anlagestrategen warnen Kunden seit geraumer Zeit vor dieser Bedrohung ihrer Portemonnaies. Denn der Rohstoffhunger der Schwellenländer treibt die Preise für Lebensmittel und Energie tendenziell nach oben. Ihr Übriges tun die Notenbanken in den USA und Europa, die hohe Staatsschulden vor allem mit druckfrischem Geld bekämpfen. Im April kletterte die Inflationsrate in der Euro-Zone bereits auf 2,8 Prozent. Das ist deutlich mehr, als die Europäische Zentralbank für akzeptabel hält. Immer mehr Anleger denken somit über einen Inflationsschutz für ihr Depot nach.

Doch auch die Gegenstimmen wollen nicht verstummen. Viele Fachleute halten steigende Teuerungsraten für ein vorübergehendes Phänomen, das lediglich den derzeit hohen Preisen für Energie und Rohstoffe geschuldet ist. Sinken die Notierungen auf den Rohstoffmärkten wieder, normalisieren sich auch die Inflationsraten wieder, sagen sie voraus. Zudem sei in weiten Teilen der Euro-Zone die Arbeitslosigkeit noch zu hoch, als dass sich auf breiter Front höhere Löhne durchsetzen ließen und damit eine Preisspirale in Gang kommen könnte.

Es gibt ein Allheilmittel

So lautet das Fazit etwa von Bernhard Langer, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter Invesco, der weltweit über 600 Milliarden Dollar managt: "Dauerhafte Geldentwertung ist nicht in Sicht." Er nennt weitere Argumente, die gegen ein Inflationsszenario sprechen: Die Konjunktur in großen Schwellenländern wie China schwächt sich ab, und hochverschuldete Staaten wie die USA denken nun langsam ans Sparen. Zudem erwarten viele Ökonomen, dass sich Länder wie Griechenland oder Portugal letztlich mit einem Schuldenschnitt aus der Affäre ziehen, was einem Tritt auf die Inflationsbremse gleichkommt.

Dabei lassen Fondsmanager wie Langer ihren Worten Taten folgen, was vertrauensbildend wirkt: Invesco hat die Aktienquote verringert. Inflationsverängstigte tun das Gegenteil, weil Aktien als Sachwerte gelten. Gleiches gilt auch für die Bargeldquote, die Invesco erhöht hat. Dazu setzen Langer und seine Leute auf Anleihen aus Deutschland und den USA. Schuldpapiere aus Griechenland, Portugal und Irland haben sie aus dem Depot gekegelt. Logisch, wenn man davon ausgeht, dass diese Länder ihre Schuldenrückzahlungen kürzen.

Was heißt das für Anleger? Sie sollten nicht alles auf die Karte Inflation setzen, vor allem nicht panikartig teures Edelmetall kaufen. Wer schon länger anlegt, weiß: Es kann auch alles ganz anders kommen. Da hilft nur das generelle Allheilmittel: breit streuen. Ein ausgewogenes Depot mit Sachwerten wie Aktien und Immobilen ist in jedem Fall sinnvoll.

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