Tokuyama profitiert von der Siliziumknappheit
Der Stoff, aus dem die Solarträume sind

Es ist schwarzgrau, hat einen leicht metallischen Glanz, und es gibt diesen Rohstoff buchstäblich wie Sand am Meer: In gebundener Form ist Silizium nichts anderes als Quarzsand und nach Sauerstoff das zweithäufigste Element der Erde.

DÜSSELDORF. Und dennoch ist Silizium auf dem Weltmarkt knapp, was vor allem der Solarbranche Kopfzerbrechen bereitet. Denn sie benötigt Silizium in einer Reinheit von mindestens 99,99 Prozent zur Herstellung von Solarzellen. Das Einschmelzen von Quarzsand zur Produktion von hochreinem Silizium ist allerdings ein aufwendiger Prozess. Und er liegt in der Hand von nur vier Unternehmen, die zusammen rund 95 Prozent des Marktes kontrollieren.

Diese Konstellation lässt clevere Anleger aufhorchen, zumal börsennotierte Siliziumproduzenten für die Solarbranche ähnlich rar sind wie der Stoff, den sie produzieren: Nur der japanische Chemiekonzern Tokuyama ist an der Börse notiert. Die drei anderen Produzenten, namentlich die US-Konzerne Hemlock, Solar Grade Silicon und die deutsche Wacker-Chemie, hingegen nicht. Für Investoren, die vom globalen Boom der Solarbranche profitieren wollen, ist der nach Marktanteilen drittgrößte Siliziumproduzent Tokuyama daher eine spannende Alternative zum Kauf der heiß gelaufenen deutschen Solarwerte. Schließlich sind auch Solarworld, Q-Cells und Co. direkt oder indirekt von der Siliziumproduktion abhängig. Ihre schnell wachsende Nachfrage füllt die Kassen von Tokuyama.

Zugegeben: Mit einem Börsenwert von inzwischen umgerechnet 2,3 Mrd. Euro ist auch Tokuyama nichts für schwache Nerven. Der Aktienkurs hat sich binnen zwölf Monaten verdoppelt, das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für das laufende Geschäftsjahr beträgt nach Schätzungen der Analysten 23. Das ist für einen Chemiekonzern eine ambitionierte Bewertung. Allerdings wachsen dank des Höhenflugs des Siliziumpreises, der sich ebenfalls binnen eines Jahres verdoppelt hat, auch die Gewinne Tokuyamas: Credit-Suisse-Analyst Masami Sawato rechnet für die kommenden beiden Geschäftsjahre mit einem Gewinnwachstum von rund 20 Prozent pro Jahr und rät, bei Kursschwächen zu kaufen. Ein Preisrutsch der Siliziumpreise ist in absehbarer Zeit ohnehin nicht in Sicht. Rund 8 000 Tonnen können die vier Silizium-Produzenten in diesem Jahr herstellen, hat Credit Suisse First Boston errechnet. Rund doppelt so viel müsste allerdings die Öfen verlassen, um die rasant steigende Nachfrage der Solarmodulhersteller zu befriedigen. Auch im kommenden Jahr dürfte die Kapazität nur auf 10 000 Tonnen steigen.

Für Tokuyama, das derzeit rund 1 400 Tonnen pro Jahr produzieren kann, sind das gute Nachrichten. Insgesamt steuert die Siliziumsparte knapp die Hälfte zum Unternehmensgewinns bei, künftig soll es noch mehr werden: Im November wird die Produktion nach einem neuen, weit günstigeren Verfahren aufgenommen. Es ermöglicht die Gewinnung reinen Siliziums mittels Dampf in Reaktoren. Dieses so genannte VLD-Verfahren soll die Kapazität um zunächst 200, später dann um 2000 Tonnen reines Silizium pro Jahr erweitern. Selbst mit heutigen Produktionskosten steigert jede zusätzlich produzierte Tonne Silizium die Gewinne Tokuyamas um umgerechnet eine Mill. Euro pro Jahr.

Markteintritte neuer Hersteller sind indes wenig wahrscheinlich: Die Herstellung des Siliziums in wirtschaftlich großen Mengen ist sehr kapitalintensiv und erfordert viel Know-how. Selbst mit klassischen Herstellungsmethoden vergehen zwischen der Planung neuer Silizium-Reaktoren und der ersten Produktion rund zwei Jahre. Kein Wunder, dass die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg in einer Studie über den Photovoltaik-Markt urteilen, dass die Verhandlungsmacht der Siliziumhersteller wie Tokuyama mittelfristig die stärkste entlang der Wertschöpfungskette der Solarbranche bleiben wird. Im Klartext: Die Hersteller können die Preise diktieren.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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