Trotz boomender Börsen gibt es recht viel Skepsis
Zwischen Grün und Gelb

Die Börse marschiert und marschiert. Noch zu Jahresbeginn schienen 6 000 Punkte im Deutschen Aktienindex (Dax) unerreichbar. Gut möglich, dass jetzt alles nur eine Zeit von ein paar Wochen ist. Denn die Voraussetzungen sind nach wie vor günstig, auch wenn die Ampel gerade von grün auf gelb umspringt.

DÜSSELDORF. Grün leuchtet die Liquidität. Ungeachtet steigender Zinsen in den USA fließt viel Geld in den Markt. Warum? Es fehlen die Alternativen. Der einst boomende Immobilienmarkt ist angeschlagen: In den USA sinken die Häuserpreise, und in Deutschland ist die Verunsicherung groß, seit die Deutsche Bank einen ihrer offenen Immobilienfonds geschlossen hat. In diesen Markt dürften erst einmal keine großen Summen fließen. Auch Anleihen bieten sich wegen der mickrige Renditen kaum an.

Grün leuchtet auch die Technik. Gemäß der Faustregel „Der Trend ist dein Freund“ ändert sich daran nichts, solange die Börsen nach oben gehen. Rücksetzer wie Mitte Januar sind gesund, weil der Markt damit „zittrige Hände“ abschüttelt. Gefährlich wird es, wenn derartige Rücksetzer das vorangegangene Niveau bei Kurseinbußen unterschreiten und anschließend keine neuen Kurshöhen mehr folgen. Das ist bislang nicht zu erkennen.

Grün leuchtet auch das Sentiment, die Stimmung. „Viele Anleger reden davon, dass der Markt heißgelaufen ist“, sagt Thomas Körfgen von SEB Invest. Das sind jedoch in erster Linie nicht investierte Anleger, denen die Kurse davonlaufen, stellt der Leiter des Aktienfondsmanagements klar. Faustregel ist: Wer positiv über Aktien spricht, besitzt sie meistens auch. Wer skeptisch ist, handelt auch so und steht außen vor.

Trotz boomender Börsen gibt es recht viel Skepsis. Jüngstes Beispiel ist die dritte Januar-Woche, als einen Moment lang die Krise um das iranische Atomprogramm, die steigenden Ölpreise, die Angst vor der Vogelgrippe und einige unbefriedigende Quartalsergebnisse die Börsen drückten. Rasch machten Szenarien von der großen Trendwende die Runde. Doch für viele Skeptiker waren die Rückschläge Gelegenheit, auf den kurz haltenden Börsenzug aufzuspringen.

Zwischen Gelb und Rot leuchten indes die – gerade erwähnten – fundamentalen Indikatoren. Nicht, dass die Unternehmen mit ihren Ergebnissen enttäuscht hätten. Doch einige Firmen verdienten nicht so viel, wie Investoren, Analysten und zum Teil auch sie selbst erwartet hatte. Vor allem aber enttäuschten einige Ausblicke. In den USA reagierten die entsprechenden Aktien mit enormen Abschlägen.

Derartige Risiken sind zwar auf die USA beschränkt. Doch wer um die Vorreiterrolle der amerikanischen Wirtschaft und Börse weiß, ahnt die Probleme, die auf Europa zukommen werden. Noch ist es nicht soweit. Doch sicher ist, dass auf Grün Gelb und darauf schließlich Rot folgt.

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