Trotz der Erfolge des iPod ist die Aktie ein Abenteuer
Ist Apple belehrbar?

Apple Computer Inc. ist in der High-Tech-Branche das Gegenstück zu Chrysler in der Autoindustrie: Beide sind Firmen, bei denen sich schon mehrfach Glanz und Elend abgewechselt haben.

PORTLAND. Mit ihren Aktien konnte man je nach Timing mal reich oder mal arm werden. Und bei beiden ist nach Jahren der Flaute wieder einmal Glanz angesagt.

Apple wagte mit dem tragbaren Speichergerät iPod und dem iTunes-Service einen Innovationssprung in die digitale Musik. Inzwischen ist der iPod nicht nur technologischer Schrittmacher auf einem neuen Markt, sondern ein Lifestyle- Accessoire. iTunes ist der führende Anbieter von gebührenpflichtigen Musikkopien aus dem Internet. Der Erfolg lässt sich in den Ergebnissen ablesen. Im abgelaufenen Quartal lieferte Apple 2,02 Mill. iPods aus, sechs Mal soviel wie vor einem Jahr. Der Umsatz lag mit 2,35 Mrd. Dollar um 37 Prozent höher als im Vorjahr und war das beste Ergebnis seit neun Jahren. Apples Nettogewinn stieg im Quartal auf 106 Mill. Dollar, nach 44 Mill. im Vorjahr.

Die Börse reagierte enthusiastisch. Mit zeitweilig mehr als 56 Dollar hat sich der Kurs seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt und rangiert derzeit auf dem höchsten Niveau seit dem Sommer 2000. Allein seit Oktober schraubten vier Analysten ihre Bewertung des Unternehmens nach oben. Analyst Joel Wagonfeld von First Albany hob jüngst sein Kursziel mit einer Kaufempfehlung auf 61 Dollar an. Begründung: „Die Popularität des iPod strahlt auch auf andere Apple-Produkte aus“. Die meisten der fast vier Millionen iPod-Käufer haben noch nie einen Mac-Computer, das Hauptprodukt von Apple, besessen. Enge Bezüge zwischen iPod und den Computermodellen iMac und iBook im Design und in der Werbung sollen neue Käuferschichten erschließen. Dabei setzt Vorstandschef Steve Jobs auf die wachsende Zahl von firmeneigenen Apple-Läden

.

In die Bewunderung für den Erfolg des iPod mischen sich indessen Zweifel. Mit einem Kurs-Gewinn- Verhältnis von 77 ist die Aktie sehr großzügig bewertet. Wie weit die Popularität des iPod auf das angestammte Computergeschäft ausstrahlt, steht dahin. Nach dem Motto, „das Besondere war schon immer etwas teurer“ sind Apple- Rechner zwar wesentlich attraktiver gestaltet als Windows-Maschinen, aber auch deutlich kostspieliger – von periodischen Produktverzögerungen und Lieferengpässen abgesehen.

Zweifel weckt vor allem, dass Apple beim iPod erneut versucht, die Käufer mit exklusiver Technologie an die eigenen Produkte zu binden. Wer gebührenpflichtig Musik aus dem Internet auf den iPod kopieren will, ist auf das Urheberrechtsschutzprogramm Fairplay angewiesen, das nur der Apple-Dienst iTunes bietet. Für Käufer des iPod bedeutet das eine deutliche Beschränkung des Kopierangebotes. Apple andererseits vergibt die Chance, bei gebührenpflichtigen Musikkopien aus dem Internet den einheitlichen Standard zu setzen.

Das klingt bekannt. Auch in den Anfängen der Personalcomputer manövrierte sich Apple mit der Strategie, dass es Apple-Technologie nur bei Apple gibt, in eine schrumpfende Marktnische – trotz Pionierleistung, eleganterem Design und überlegener Technologie. Wie damals ist auch diesmal Microsoft der Hauptgegner. Der Softwareriese stellte jüngst sein Logo „PlaysForSure“ vor. Es steht allen offen und soll Käufern anzeigen, ob Kopierdienst und Spieler miteinander kompatibel sind.

Einheitliche Standards erhöhen die Wahlmöglichkeiten der Verbraucher und Microsoft ist der beste Beweis für Erfolg und Marktmacht einer Firma, die solche Standards setzt. Apple will offenbar aus der Vergangenheit nicht lernen, sondern sich selbst treu bleiben: Cool, brillant und für Aktionäre ein Abenteuer.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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