Trotz Warnaufdruck bleiben Tabakaktien verlockend
Lohnender Qualm

Trotz drastischer Warnhinweise wie "Rauchen kann tödlich sein" raucht der Raucher weiter. Er lässt sich sogar manches einfallen, um die Warnungen zu überdecken.

FRANKFURT: Rauchen lässt Ihre Haut altern“, erfahren wir morgens – bei Kaffee und Qualm am Frühstückstisch. „Rauchen kann die Spermatozoen schädigen“, schreit es von der Schachtel bei der Zigarette danach. Schwarz auf Weiß, umrahmt von einem 0,5 Millimeter dicken Trauerflor. Wirklich unschön! „Rauchen kann tödlich sein.“ – Wir sind ignorant und rauchen weiter. Die lästigen Hinweise machen sogar kreativ: Denn praktische Zigarettenschachtelwärmer verkaufen sich millionenfach im Internet und verdecken nebenbei die bösen Botschaften. Sogar das gute alte Zigarettenetui kommt wieder in Mode. Wenn wir schon früher sterben, dann mit Stil.

Und wenn wir uns schon zu Grunde rauchen, dann lasst uns auch daran verdienen. Dabei ist es nicht notwendig, nach Aktien von Zigarettenetuiherstellern oder den Produzenten der Schachtelwärmer zu suchen, soviel Zeit haben wir nicht mehr. Schließlich verdienen die großen Tabakfirmen unverändert gut an unserer Unbekümmertheit. So empfehlen die Analysten trotz der Rally in den vergangenen Monaten Aktien und Anleihen der Tabakkonzerne zum Kauf, denn durch die „Todesanzeigen“ auf den Schachteln verringert sich das lästige Prozessrisiko der Hersteller. Anleger sollten sich dabei auf die europäischen Tabakfirmen konzentrieren, weil die juristischen Risiken in den USA noch immer nicht kalkulierbar seien. Zwar hat sich der Rauch um die Sammelklagen gegen die Altria-Gruppe mit ihrer Tabaktochter Philip Morris nach verschiedenen Gerichtsentscheidungen ein wenig gelegt. Doch das Risiko kostspieliger Einzelklagen bleibt.

Stressfreier für die Brieftasche sind die Papiere der britischen Hersteller BAT und Imperial Tobacco sowie des spanisch-französischen Konzerns Altadis. Vor allem Altadis steht in der Gunst der Analysten ganz oben. Im vergangenen Halbjahr steigerte der Galoises-Hersteller seinen Nettogewinn um acht Prozent auf 220 Mill. Euro. Für das Gesamtjahr rechnet der weltweit viertgrößte Tabakkonzern mit einer „deutlichen Gewinnsteigerung“. In Deutschland stiegen die Umsätze sogar um 8,5 Prozent und der Marktanteil der Marke Galoises Blondes legte gegen den Trend auf 5,1 Prozent zu. Der 1999 aus dem spanischen Staatsbetrieb Tabacalera und dem französischen La Seita hervorgegangene Konzern expandiert vor allem in Osteuropa, Asien oder Afrika: Im Sommer erhielt Altadis den Zuschlag für den marokkanischem Tabakkonzern Regie des Tabacs Marocains (RTM). Durch sein starkes Marketing trotzt Altadis bislang erfolgreich den Billigherstellern, die mit ihren Discountkippen Aldi, Real und Lidl beliefern. Dennoch kommt das Werbeverbot der EU im Jahr 2005 für Markenhersteller wie Altadis gerade recht: denn ganz ohne Werbung ist es auch für Discounter fast unmöglich, Raucher als Stammqualmer zu gewinnen.

Es bleiben die Politiker als Unsicherheitsfaktoren, die uns mit immer höheren Steuern an die Lunge wollen. 4,50 Euro kostet die Schachtel im kommenden Jahr, im Oktober 2005 vielleicht schon 6,50 Euro. In Frankreich sind es jetzt schon 4,60 Euro, in Großbritannien 7,50 Euro. Die Händler stöhnen, weil wir über das Internet ordern, selber drehen oder über die Grenze nach Polen pilgern. Und der Schwarzmarkt blüht - finsterer ist nur die Raucherlunge. Eine Studie von Roland Berger kommt zu dem Ergebnis, dass wir nach der Erhöhung der Tabaksteuer nicht weniger rauchen, dafür aber unversteuert. Hauptsache Rauchen! Das ist, was zählt für die Tabakkonzerne und wir können davon profitieren. Die Zyniker könnten auf ihre Zigaretten-Etuis schreiben: – „Rauchen macht glücklich.“

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