Tui-Investoren haben gelitten
Tui ist für Anleger jetzt leichter auszurechnen

Tui-Investoren haben vier Jahre lang gemeinsam mit der Belegschaft des Reisekonzerns gelitten. Parallel zur Krise der Touristikbranche verlor die Tui-Aktie deutlich an Wert und rutschte im Jahr 2003 sogar kurzzeitig unter die 10-Euro-Marke.

In der Vorwoche fiel die Reaktion auf Neuigkeiten im Hause Tui jedoch unterschiedlich aus: Während in der Konzernzentrale in Hannover die Sektkorken knallten, verloren Tui-Aktionäre durch die breite Aufteilung eines Aktienpakets das letzte Stück Übernahmefantasie – und damit erneut einige Prozentpunkte an Performance. Der bisher größte Anteilseigner West LB verkaufte seinen 31,4-Prozent-Anteil in zwei Tranchen und stellte damit sicher, dass Europas größter Reisekonzern weder feindlich übernommen noch – wie zwischenzeitlich befürchtet – in seinen Strukturen zerschlagen werden kann.

Dass Tui-Chef Michael Frenzel mit einer Investorengruppe um die spanische Hoteliers-Familie Riu freundlich gesinnte Investoren anlockte, ist für die im Touristik-Sektor arbeitende Belegschaft eine gute Nachricht: Ihre Jobs sind zunächst sicherer geworden, weil Frenzel an der Strategie eines diversifizierten, integrierten Reisekonzerns festhält.

Für die Börse bedeutet das: Tui-Aktien sind nach dem vollzogenen Anteilsverkauf der West LB kalkulierbarer und damit ein Stück weit konservativer geworden. Radikallösungen, von der schnellen Abspaltung der Logistikperle Hapag- Lloyd bis hin zum Verkauf touristischer Beteiligungen, sind jetzt aus dem Spiel. Weil an der aktuellen Konzernstrategie nicht mehr zu rütteln ist, dürften fortan wieder die nackten Zahlen in den Vordergrund rücken: Etwa die Gewinne im Kerngeschäft Touristik, die bisher enttäuscht haben. Oder die Schulden, die nach letztem Stand bei 2,7 Mrd. Euro liegen und über hohe Zinszahlungen das Netto-Ergebnis drücken.

Ein Investment in die Tui-Aktie bleibt damit eine Wette auf die nachhaltige Erholung im Tourismus-Sektor, die in diesem Jahr immerhin erste Vorläufer geschickt hat. Die Buchungssituation hat sich 2004 verbessert und mit ihr die Auslastung der Hotel- und Flugkapazitäten. Für nächstes Jahr fallen die Prognosen – einer Sonnenscheinbranche angemessen – gewohnt optimistisch aus. Analysten wie Robert Heberger von Merck Finck & Co. warnen allerdings, dass Touristik-Aktien weiterhin von Terrorängsten, preisaggressiven Billigfliegern und hohen Kerosinpreisen belastet würden.

Auf der Positivliste steht, dass der Tui-Konzern weiter von den glänzenden Ergebnissen seiner Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd profitieren wird. Obwohl Tui am Finanzmarkt gerne auf das Veranstaltergeschäft reduziert wird, ist das Unternehmen noch immer kein lupenreines Reiseunternehmen. Und gerade dies hat in der Vergangenheit größeren Schaden verhindert, weil die Margen im Tourismusgeschäft nicht annähernd auf dem Niveau einer Hapag-Lloyd liegen.

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