Überraschende zahlen erwartet
Der Inflations-Schocker

Sieben Prozent Inflation, das wäre der Horror für die Amerikaner. Schon die aktuellen fünf Prozent sind schlimm. Aber spätestens im Oktober kommen Schock-Zahlen. Ein öffentlicher Aufschrei ist programmiert. Die Wirkung dürfte durchschlagend sein: auf Zinsen, Anleihen, den Dollar und auch die Rohstoffe.

Das wird die Börsianer völlig unerwartet treffen. Sie glauben, dank der sinkenden Öl- und Rohstoffpreise schon aufatmen zu können. Diese Rückschläge und eine absehbare Konjunktureintrübung nehmen Druck aus der Pipeline, denken sie. Doch die Akteure haben die sogenannten Zweitrundeneffekte nicht auf dem Radarschirm. Viele Unternehmen geben erst jetzt ihre gestiegenen Kosten über Preiserhöhungen bei den Produkten an die Verbraucher weiter.

Bereits die Statistik erzeugt Schub nach oben, heißt es von der Analysefirma Conquest. Die jeweils aktuellen Zwölfmonats-Inflationsraten bestimmen die Jahresrate. Und vor etwa einem Jahr lagen die Monatsraten in den USA bei null oder knapp darunter. Diese „guten“ Monate fallen jetzt sukzessive aus der Berechnung heraus, werden durch die aktuell höheren Monatswerte ersetzt. An Jahres-Inflationsraten von sechs oder sogar sieben Prozent führt deshalb in den kommenden Monaten kaum ein Weg vorbei.

Anhängern von Zinsanlagen ist noch nicht klar, dass sie real – das heißt Zinseinnahmen abzüglich Inflation – bereits Geld verlieren. Amerikaner kommen mit lang laufenden US-Staatsanleihen jetzt auf Renditen um die vier Prozent. Bei einer angenommenen Geldentwertung von sieben Prozent heißt das demnächst: Der Anleger verliert real drei Prozent. Die Zinsanlage wird zum programmierten Vermögensverlust. In Euro rechnende Deutsche liegen mit Bundesanleihen noch knapp über Wasser. Aber auch hier zu Lande können die jetzt auf rund ein Prozent abgeschmolzenen Realzinsen zumindest Richtung Null rutschen.

Rund um den Globus gleichen sich die Bilder. Weltweit schießen die Inflationsraten nach oben. Das Beispiel Simbabwe mit seiner unfassbaren Geldentwertung von zwei Mill. Prozent darf man noch als Exotikum abhaken. Aber viele Schwellenländer leiden unter zweistelliger Geldentwertung. Und es gibt verwegene Schätzungen, dass auch die Amerikaner in diese Dimension vorstoßen werden. Solche Prognosen, etwa von Weiss Research in Florida, sind beängstigend.

Diesen Schreckensvisionen muss man nicht folgen. Aber zumindest der globale Trend ist eindeutig und zeigt nach oben. Verwerfungen an den Kapitalmärkten sind durchaus denkbar. Das Szenario sähe dann so aus: Die Nominalrenditen steigen insbesondere in den USA kräftig, weil viele Anleihebesitzer den realen Wertverlust vermeiden wollen und ihre Positionen abstoßen; der Dollar fällt; Edelmetalle gewinnen. Der Rat wäre dann: Die Verlierer verkaufen, die Gewinner kaufen.

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