Überwiegend heiter
Börsenkandidat Conergy setzt auf den Solarboom

Beim Börsengang der Solarenergiefirma Conergy ist alles ein wenig anders als üblich. Zum einen wagen die Hamburger bereits den zweiten Anlauf in Richtung Kapitalmarkt. Den ersten Versuch musste Vorstandschef Hans-Martin Rüter 2001 wegen der miserablen Börsenstimmung abbrechen. Doch das ist nicht das einzige Novum, mit dem Conergy die Anleger überrascht.

HB FRANKFURT/M. Anders als üblich hat Rüter zum Auftakt des dritten deutschen Börsengangs in diesem Jahr keine Preisspanne für die Solar-Aktien genannt. Ober- und Untergrenze sollen erst nach der Tour des Managements zu den internationalen Großinvestoren kurz vor dem Börsenstart am 18. März festgelegt werden. Dadurch wird die Zeichnungsfrist von den üblichen zwei Wochen auf einige Tage verkürzt. Ziel des neuen Verfahrens: Conergy will möglichst wenig Angriffsfläche für eine nervenzehrende öffentliche Diskussion um die Bewertung bieten.

Privatanleger sollten sich vom ungewohnten Zeitplan nicht irritieren lassen. Entscheidend für den Erfolg des Börsengangs bleiben die fundamentalen Aussichten des Unternehmens und der Branche. Wie sieht es damit aus?

Als Rüter 2001 versuchte, den Anlegern Conergy nahe zu bringen, erntete er nur ein müdes Lächeln. Die Börsenblase war gerade geplatzt, und Technologiewerte wollten die meisten Investoren nicht einmal mit der Zange anfassen. Das hat sich geändert. Solarenergie ist in. Für eitel Sonnenschein haben vor allem die rot-grüne Bundesregierung und ihr Energieeinspeisungsgesetz gesorgt. Es verpflichtet die großen Stromversorger, Sonnenenergie zu festen Preisen in ihre Netze zu übernehmen. Das treibt Investitionen in Solaranlagen und die Bewertungen an der Börse.

Der Hersteller von Photovoltaik-Anlagen, Solarworld, hat die Anleger in den vergangenen zwölf Monaten mit einer rasanten Kurssteigerung von knapp 500 Prozent erfreut. Der Konkurrent Sunways brachte es auf ein Plus von 275 Prozent.

Conergy selbst produziert keine Solarzellen, sondern kauft sie von Zulieferern und baut sie mit eigenen Komponenten zu Systemen zusammen. Damit konzentrieren sich die Hamburger auf den weniger zyklischen und am Ende profitableren Teil des Solarmarktes. Zum Kundenkreis gehören vor allem Landwirtschaft und Industrie, aber auch private Haushalte.

Mit diesem Geschäftsmodell verbesserte Conergy 2004 den Umsatz um 130 Prozent auf 285 Mill. Euro. Gleichzeitig stieg der Nettogewinn von 0,4 Mill. Euro auf elf Mill. Euro. Für die kommenden Jahre sagen die Konsortialbanken eine ähnlich rasante Entwicklung voraus. Die Analysten der Deutschen Bank erwarten, dass Conergy bis 2007 ein durchschnittliches Umsatzwachstum von bis zu 50 Prozent pro Jahr erreichen kann. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern soll nach Schätzung der Berenberg Bank von 19 Mill. Euro auf 83 Mill. Euro steigen.

Diese Prognosen mögen wie meist bei Börsengängen reichlich rosa gefärbt sein. Aber Wachstumspotenzial hat Conergy auf alle Fälle, das zeigt die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre. Vorstandschef Rüter ist es gelungen, das Unternehmen trotz des 2001 gescheiterten Börsengangs auf stabilem Kurs zu halten. Außerdem darf sich Conergy berechtigte Hoffnung auf die Aufnahme in den Technologie-Index TecDax machen. Das sollte die dauerhafte Aufmerksamkeit der größeren Investmentfonds sichern.

Durch den Börsengang winkt dem Unternehmen jetzt ein Geldsegen von 100 Mill. bis 120 Mill. Euro. Da Conergy quasi schuldenfrei ist, kann Rüters die Mittel voll in die internationale Expansion investieren. Die ist auch dringend nötig. Denn noch macht Conergy rund 90 Produzent seiner Umsätze im Inland. Doch in Deutschland ist die Solarkonjunktur stark von der Politik getrieben. Und hier liegt auch das größte Risiko des Börsengangs. Bei einem Regierungswechsel in Berlin, könnten sich die sonnigen Aussichten für die Solar-Branche schnell verdüstern.

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