Umverteilung
Kleine Rückversicherer rücken vor

Der deutsche Markt für Rückversicherungen verteilt sich um. Genaue Daten dazu hat niemand, aber wer sich mit den Beteiligten unterhält, erkennt einen relativ klaren Trend: Die Großen stagnieren, die Kleinen gewinnen.

HB DÜSSELDORF. Diese Entwicklung deutet sich schon seit Jahren an. Neuen Schub erhielt sie durch den Zusammenbruch der Gerling Rückversicherung im vergangenen Jahr. Er traf die Branche wie ein Schock – niemand hätte gedacht, dass so etwas passieren könnte. Viele Erstversicherer (also die Kunden der Rückversicherer) zogen daraus die Lehre, dass man niemals zu viele Eier in einen Korb legen sollte.

Durch diese neue Entwicklung kommen jetzt auch kleinere Anbieter zum Zuge, die zuvor nur wenig Chancen gegen große Gruppen wie Münchener Rück und Schweizer Rück hatten. Dass die Münchener Rück ein schlechtes Rating von Standard & Poor’s bekommen hat und darauf mit einer gewaltigen Kapitalerhöhung reagieren musste (s. Seite 26), zeigt, wie verwundbar selbst der Marktführer ist. Die Kölnische Rück hingegen lockt zwar nach wie vor mit einem sehr guten Rating, wird aber vor ihrem amerikanischen Mutterhaus strikt auf Risikokontrolle und damit nur verhaltenes Wachstum getrimmt. Und die Schweizer Rück war lange damit beschäftigt, ihre Tochter Bayerische Rück zu integrieren und die Kunden bei der Stange zu halten.

Als großer Gewinner galt lange Zeit die Hannover Rück, die sich einer „opportunistischen“ Strategie verschrieben hat: Wenn es brummt, hinein in den Markt, wenn die Preise nachgeben, wieder heraus. Die Hannoveraner haben allerdings wenig Kapital zur Verfügung. Denn ihr Mehrheitsaktionär HDI verfolgt den Traum, als breit aufgestellte Versicherungsgruppe an die Börse zu gehen und möchte daher nur wenig Geld in die Rückversicherung stecken, die ohnehin schon ein relativ starkes Standbein ist. In der letzten Zeit hat sich die Hannover Rück daher etwas zurückgehalten, um ihre schmale Kapitaldecke nicht zu sehr zu strapazieren.

Ein anderer kleinerer Rückversicherer ist die Schweizerische Converium. Sie gehört ebenfalls zu den Gewinnern des neuen Trends und kommt mit Gesellschaften in Kontakt, die früher auf Großadressen wie Münchener Rück abonniert waren. Die Gesellschaft ist stark auf das Schaden/Unfallgeschäft ausgerichtet, möchte sich aber noch in der Leben-Rückversicherung verstärken. Ihre Strategie ist weniger aggressiv als die der Hannover Rück, außerdem hat sie eine recht gute Kapitaldecke und könnte daher noch längere Zeit von der Umverteilung profitieren.

Insgesamt ist zumindest in Europa die Auswahl an Rückversicherungsaktien nicht sehr groß. Hannover Rück und Converium sind Mid Caps, also mittelgroße Werte. In dieser Liga spielt auch die französische Scor, die aber als angeschlagen gilt. Bei den großen Werten, den Blue Chips, bietet die Münchener Rück eine Mischung aus Erst- und Rückversicherung. Dabei macht ihr die Erstversicherungtochter Ergo zurzeit wenig Freude. Daher bleibt als einziger reiner Blue Chip die Schweizer Rück, die auf lange Sicht durch ihre Stabilität und hohe Kompetenz überzeugt. Nicht zu übersehen ist allerdings, dass alle Rückversicherungsaktien eine Wette auf eine erfreuliche Entwicklung unserer Welt, ohne größere Katastrophen, darstellen. Außerdem ist abzusehen, dass der Trend steigender Prämien bald ausgereizt ist.

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