Ungarischer Energiekonzern
Mol rüstet sich für die Expansion nach Südosteuropa

Ungarns größtes Unternehmen rüstet sich für eine weitere regionale Expansion in Südosteuropa. Dafür hat der Öl- und Gaskonzern Mol jetzt einen Vertrag über einen Rollover-Kredit in Höhe von 600 Mill. Euro mit einem internationalen Konsortium unterzeichnet.

BUDAPEST. Es ist die größte Kreditsumme, der jemals an ein ungarisches Unternehmen ausgegeben wurde. Angeführt wird das Konsortium von der französischen BNP-Paribas, der holländischen ING und JP Morgan.

Wie es in Budapest heißt, soll das Geld vor allem dazu dienen, bei der kroatischen Ölgesellschaft INA einzusteigen. Sollte das gelingen, dürfte der ungarische Konzern bald in der ersten Liga der internationalen Ölindustrie mitspielen. Neben Mol sind es die österreichische OMV und der polnische Konzern PKN-Orlen, die um eine Führungsrolle auf den Öl- und Kraftstoffmärkten Mittel- und Osteuropas kämpfen. Mol hat bereits den slowakischen Ölkonzern Slovnaft übernommen. Mol und PKN-Orlen wollen gemeinsam bei der Privatisierung der tschechischen Unipetrol mitbieten.

Um ganz oben mitspielen zu können, müsste es dem Mol-Management aber auch gelingen, durch Reduzierung der Belegschaft das Verhältnis zwischen Mitarbeiterzahl und Umsatz günstiger zu gestalten. Immerhin hat Mol im ersten Quartal 2003 einen Nettoertrag von 86,5 Mill. Euro erwirtschaftet – 124 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Bereits 2002 hatte der Konzern bei einem Umsatz von 4,4 Mrd. Euro einen Nettoertrag von 220 Mill. Euro ausgewiesen – den höchsten Gewinn der Firmengeschichte. Wichtige Entscheidungen stehen Mol auch in Sachen Privatisierung ins Haus. So hat Ungarns linksliberale Regierung beschlossen, den staatlichen Anteil an Mol von 25 % fast vollständig zu verkaufen. Dabei geht es um ein Gesamtpaket von 22,73 % der Anteile, die in zwei Schritten veräußert werden sollen. Zunächst will man im Herbst 10 bis 13 % über ein öffentliches Angebot an der Börse platzieren. Der Rest soll Anfang nächsten Jahres auf dem Wege einer geschlossenen Versteigerung an aus- und inländische Investoren gehen. Analysten schätzen den Wert des Gesamtpakets auf etwa 500 Mill. Euro.

Sowieso könnte in Zukunft ein großer Teil der Investoren aus jenem Teil des Erdölsektors kommen, der nachweislich Geld hat und bereit ist, in Ungarn zu investieren. Gemeint sind russische Firmen wie Lukoil. Ein Sprecher des Konzerns hat bereits angekündigt, man wolle etwa 200 Mill. $ in Ungarn und Rumänien anlegen.

Ein Unsicherheitsfaktor im Mol-Geschäft ist indes die Gassparte, die in den letzten drei Jahren etwa 850 Mill. Euro Verluste eingefahren hat. Das deshalb, weil Mol das Gas teuer importiert, nach dem Willen des Staates aber billiger an Firmenkunden und private Verbraucher abgeben muss. Der vom Management angestrebte Verkauf der Gassparte zu einem lukrativen Preis wird aber erst möglich sein, wenn der Gasmarkt in Ungarn liberalisiert ist. Ein entsprechendes Gesetz existiert schon. Unklar ist noch, wie die bisher staatlich kontrollierten Preise schrittweise an das Weltmarktniveau herangeführt werden sollen.

Das Potenzial der Mol-Aktie, das allgemein als sehr hoch eingeschätzt wird, hängt somit von drei Dingen ab: Erstens müssen klare Perspektiven für die Liberalisierung des Gasmarktes ersichtlich sein, zweitens muss sich die Stimmung an der Budapester Börse verbessern, und drittens muss der Ölpreis auf einem relativ hohen internationalen Niveau verharren. Wer mutig ist, sollte Mol-Aktien deshalb kaufen. Wer eher vorsichtig veranlagt ist, sollte den Mol-Bestand in seinem Portfolio zumindest halten.

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