Unternehmen reduzieren die Zahl ihrer Börsenlistings
Weniger ist mehr

Unter den Unternehmen, die zuletzt die Zahl ihrer Börsenlistings reduziert haben, ragt der Name Nokia heraus. „Der finnische Handy-Hersteller meldet sich von der Londoner Börse ab“, hieß es Ende Oktober in einer Kurzmitteilung. Dass dies kein Einzelfall ist, zeigen die beinahe täglich neuen Meldungen, die alle in diese Richtung gehen. Die niederländische Unilever plant ein Delisting in London, die Wiener RHI stellt die Zweitnotiz in Frankfurt ein und Intershop, das einstige Lieblingskind am Neuen Markt, will seine Notierung an der Nasdaq beenden.

FRANKFURT/M. Die Liste ließe sich beliebig weiterführen, aussagen lässt sich deshalb mehreres: Erstens haben die Unternehmen erkannt, dass sich durch den Verzicht auf einen Börsenplatz Einsparpotenzial im sechsstelligen Euro-Bereich ergibt. Hier geht es nicht nur um die reinen Listingkosten, vielmehr kommen Investorenveranstaltungen, teure Reisen und ein enormer Zeitaufwand hinzu, die ebenfalls teuer zu Buche schlagen. Zweitens nutzten gerade junge aufstrebende Unternehmen einen ausländischen Börsenplatz in der Vergangenheit häufig dazu, um dort bekannt zu werden und eventuell mehr Potenzial vorzutäuschen als eigentlich vorhanden war. Gehen diese Pläne nicht auf, macht auch das Listing dort keinen Sinn mehr. Insofern war es nur eine Frage der Zeit, wann Intershop sein Nasdaq-Listing aufgibt. Die großen US-Pläne von einst waren schließlich schon lange gescheitert.

Ebenfalls weggefallen ist für viele Unternehmen das Argument, dass ein Auslandslisting bei möglichen Übernahmen hilft, da die dortigen Aktien als Akquisitionswährung eingesetzt werden könnten. Zum einen werden Aktien bei Übernahmen im Moment zumeist nur noch als Beimischung zum Kaufpreis akzeptiert, zum anderen müssen viele Unternehmen auf geringere Kosten achten, um nicht selbst als Übernahmekandidat zu gelten.

Auf den ersten Blick wäre nun nach den jüngsten Delistings zu erwarten, dass bei Investoren tiefste Betroffenheit herrscht, Kommentatoren von einem schweren Schlag für die Aktienkultur sprechen und Kleinanleger die hohen Gebühren anprangern, weil sie nicht mehr am nächst gelegenen und damit vermeintlich günstigsten Börsenplatz zum Zuge kommen. Doch nichts davon ist bisher geschehen. Der Grund dafür ist ist einfach: Die Unternehmen sagen in der Regel den illiquidesten Börsenplatz ade. Bei Nokia beispielsweise machten die Umsätze an der Londoner Börse nach Unternehmensangaben nur 1 % der weltweiten Aktienumsatzes aus. 60 % gehen in Helsinki um, 25 % in New York, der Rest in Frankfurt und Stockholm. Gleiches Spiel bei der österreichischen RHI AG. In Wien ist die Aktie im Leitindex ATX notiert, hier zu Lande war sie wegen der geringeren Regularien lediglich im General Standard vertreten und wurde allein deswegen kaum beachtet. Schon aus diesem Grund macht es für die Anleger mehr Sinn, an den Börsenplatz mit der höheren Liquidität anstatt an den nächst gelegenen zu gehen. Dafür lohnen sich in vielen Fällen auch höhere Gebühren, die dort fällig werden. Großinvestoren bevorzugen allein deshalb schon oft den liquidesten Börsenplatz, auch wenn der wie im Falle Nokia in Helsinki liegt.

Heißt es also für die Anleger künftig wieder, er soll die Aktien eines Unternehmens am besten in dessen Heimatmarkt kaufen? Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Je größer und damit internationaler jedoch ein Unternehmen ist, desto mehr lässt sich sagen, dass alle großen Börsenplätze ein ausreichendes Grundmaß an Liquidität bereitstellen. Ausnahmen wie Nokia in London bestätigen hier die Regel. Geht es jedoch in den Bereich der Small- und Midcaps, ist Vorsicht angesagt. Meist ist bei diesen Werten der Heimatmarkt des Unternehmens auch der Liquideste.

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