Unternehmen vom "Neuen Markt"
Mit breiter Brust

Mancher Börsianer hat in den letzten Wochen ein seltsames Déjà-vu-Erlebnis gehabt. "Kommen die Geister von einst wieder aus ihren Löchern?", war gar hie und da zu hören. Tatsache ist jedenfalls, dass exakt zehn Jahre nach Gründung des Neuen Marktes und vier Jahre nach dessen Einstellung etliche Unternehmen von einst wieder mit breiter Brust bei Investoren auftauchen. Umstrukturiert, auf Rendite getrimmt und ganz wichtig: geläutert.

FRANKFURT. Nun waren AC Service, PSI, PC-Ware oder Realtech nie wirklich weg. Auch in den schwierigen Jahren suchten sie die Öffentlichkeit, fanden meist aber nur wenig Gehör. Das ändert sich allmählich. Denn inzwischen haben die genannten Unternehmen und viele weitere "Überlebende" bewiesen, dass ihre Prognosen weit mehr sind als reine Phantastereien, die sie vielleicht noch im Jahr 2000 darstellten. Weil sie als "Überflieger" von einst besonders stark unter Beschuss gerieten, hat es auch lange gedauert, bis Investoren sich wieder für sie interessierten.

Volkswirte wie Ulrich Kater von der Dekabank nannten dieses Phänomen schon vor einiger Zeit "Post-Bubble-Syndrom" und meinten damit die besondere Abneigung der Investoren gegenüber allem, was in irgendeiner Weise mit den extremen Kursverlusten nach dem Platzen der Börsenblase im Jahr 2000 zu tun hat. Hier zu Lande waren davon natürlich besonders die Werte des einstigen Neuen Marktes betroffen. Dieses "Post-Bubble-Syndrom" soll sich nun allerdings dem Ende zuneigen, so die einschlägige Meinung.

Ewiges Büßen der betroffenen Unternehmen wäre auch nicht angebracht. Zum einen erinnert bei den meisten der 150 Gesellschaften, die heute von den einst 350 am Neuen Markt gelisteten Unternehmen übrig geblieben sind, oft nur noch der Firmenname an die Zeit von einst. Management, Ausrichtung und vor allem die Profitabilität erscheinen im neuen Gewand. Zum anderen haben sie durch den Stempel "Neuer Markt", der ihnen anhaftete, am Aktienmarkt noch längst nicht zeigen können, was eigentlich in ihnen steckt.

Zugute kommt ihnen dabei auch, dass bei Investoren plötzlich wieder Branchen im Vordergrund stehen, die über Jahre hinweg verpönt waren und nun als die Investment-idee schlechthin gelten. Software, Informationstechnologie (IT) und Internet gehören dazu, und gerade die fanden sich einst zuhauf am Neuen Markt. Das Verhältnis zwischen Unternehmenswert und freiem Cash-Flow der Konzerne sei beispielsweise in keiner Branche so gut wie im IT-Sektor, hat die britische Fondsgesellschaft Henderson errechnet.

Kein Wunder also, dass viele Investoren inzwischen wieder bei Unternehmen auftauchen, deren Aktien sie einst tief enttäuscht hatten. Wer allerdings glaubt, dass hier ein Zustand der Altersweisheit und -gnade zu einer Annäherung geführt hat, der täuscht sich. Die Überlebenden des Neuen Marktes haben allesamt eine schwere Zeit hinter sich. Und die in den meisten Fällen gute neue Zeit haben noch zu wenige entdeckt. Allein das schürt die Hoffnung auf mehr.

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