Uran-Spekulation
Ungewöhnliche Rohstoff-Story macht Schlagzeilen

Den Grünen hier zu Lande würde sich der Magen umdrehen. Aber wahrscheinlich haben sie gar nicht auf dem Radarschirm, was sich in Nordamerika abspielt - und den übrigen Deutschen geht es nicht anders. Die Rede ist vom Comeback der Kernkraft und einer ungewöhnlichen Spekulationswelle im Rohstoffbereich.

„Commodities“ haussieren schon seit mehreren Jahren. Aber jetzt gerät auch ein sensibles, emotionsbeladenes Metall in den Focus: Uran. Der Preis hat sich in wenigen Jahren auf über 20 Dollar je Pfund mehr als verdoppelt. Die Kurse der entsprechenden Fördergesellschaften vervielfachten sich in den vergangenen Monaten; Charts sehen oft fast senkrecht nach oben gezogenen Linien täuschend ähnlich.

Ein in USA bekannter Analyst und Börsenbriefschreiber macht Stimmung für das spaltbare Material: James Dines. Ein mindestens ebenso meinungsfreudiger kanadischer Analyst ist mit von der Partie: Doug Casey. Auf einer großen Investorenveranstaltung in New Orleans meinte Casey: „Der Goldpreis wird bis zum Mond schießen und Uran ist eine noch bessere Wette.“ Da ist sicher jeder Kommentar überflüssig. Am Sonntag und Montag werden die beiden wieder die Trommel rühren. Dann findet in San Francisco eine der weltweit größten Investmentkonferenzen statt.

Die Protagonisten der Anlageidee werfen ihre Argumente in die Waagschale: den Mix aus steigendem Energiebedarf und absehbaren Engpässen bei den Alternativen. Uran gilt ihnen außerdem als „saubere“ Energiequelle bei der Stromerzeugung – ohne Freisetzung von Kohlendioxid wie bei Kohle oder Öl. Schon heute, sagen Fachleute, übersteige die Urannachfrage die Produktion. Weltweit sind über 400 Kraftwerke in Betrieb. Schätzungen zufolge dürften in den kommenden zehn Jahren zusätzlich 100 gebaut werden, davon 40 in Asien – und die Nachfrage sollte weiter steigen.

Optimismus regiert daher. Manche Experten sehen den Uranpreis in den kommenden Jahren bis auf 50, später bis auf 100 Dollar je Unze ansteigen. Die Frage ist nur, wie der Anleger davon profitieren soll? Der im Rohstoffbereich typische Kauf von Terminkontrakten ist unmöglich. Uran wird direkt an die Versorgerfirmen verkauft.

Bleibt nur der Weg über die Fördergesellschaften. Und da wird es ganz schnell eng. Der Marktführer unter den Produzenten ist in Toronto börsennotiert: Cameco. Die Firma produziert etwa ein Fünftel der Verbrauchsmenge. Darüber hinaus gibt einige wenige weitere Werte, außerdem eine etwas größere Zahl wenig liquider Explorationsgesellschaften.

Cameco ist mit einem Börsenwert von rund sechs Milliarden kanadischen Dollar vergleichsweise groß und kann steigende Gewinne ausweisen. Allerdings: Der Kurs ist binnen Jahresfrist von 0,10 auf rund 2,50 kanadische Dollar explodiert, die Bewertung inzwischen stattlich. Viele der anderen Titel haben ähnliche Vervielfachungen hinter sich gebracht.

Wenn Fachleute Aktien aus diesem Segment empfehlen, setzen sie in erster Linie auf den Marktführer. Das gilt beispielsweise für Analyst Dines, aber auch für Eric Sprott, einen in Nordamerika sehr angesehenen Fondsmanager. Sprott ist euphorisch: „Die Daten von einigen dieser Firmen sind ziemlich spektakulär.“

Engagements bergen extreme Risiken. „Das ist sehr spekulativ, daran gibt es keinen Zweifel“, sagt Dorothy Hofferty vom kanadischen Broker Wolverton Securities. Abwarten könnte lohnen. Manche Experten halten die Rohstoffmärkte reif für eine mindestens kürzerfristige Korrektur. In diesem Fall dürfte auch die heiße Uran-Spekulation abkühlen. Dann wäre immer noch Zeit über einen Einstieg nachzudenken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%