US-Autosparte bremst Daimler-Chrysler aus – Nettoverlust ist im laufenden Jahr nicht mehr auszuschließen
Das Wunder von Detroit?

Daimler-Chrysler-Aktionäre sind derzeit nicht zu beneiden. Zwar ist die befürchtete Gewinnwarnung ausgeblieben, doch mag kaum ein Experte daran glauben, dass die Stuttgarter Autobauer bis Ende des Jahres mit ihrer angeschlagenen US-Sparte Chrysler wieder operative Gewinne einfahren können.

FRANKFURT. Selbst Daimler-Finanzchef Manfred Gentz fehlt offensichtlich der rechte Optimismus. „Wir haben eine realistische Chance, aber wir können nicht versprechen, dass wir das Ziel erreichen“, schränkte der Manager kleinlaut ein. Die meisten Analysten gehen noch einen Schritt weiter: „Wir halten das Erreichen des Ertragsziel für unwahrscheinlich“, hieß es bei der WestLB.

Spätestens als die Ratingagentur Standard & Poor's mit Verweis auf die US-Sparte das Konzernrating um eine Bonitätsstufe auf BBB senkte, festigte sich auch unter Anlegern die Einsicht: Das Ziel ist nicht mehr zu halten. Folglich gehörte die Aktie nach den Zahlen für das dritte Quartal zu den Tagesverlierern im Dax – da half auch alle Zuversicht der Daimler-Verantwortlichen nichts.

Tatsächlich käme es einem Wunder gleich, wenn Daimler auf dem schwierigen US-Markt den aufgelaufenen Verlust bei Chrysler im vierten Quartal noch aufholen könnte. Dafür müsste der Konzern nach aktuellen Zahlen rund 650 Mill. Euro aus dem laufenden Geschäft erwirtschaften.

Chrysler ist jedoch auf dem Heimatmarkt in einem erbitterten Preiskampf mit den Konkurrenten General Motors (GM) und Ford verstrickt. Im dritten Quartal verdiente die US-Sparte von Daimler nur ein mageres Plus von 147 Mill. Euro, noch im zweiten Quartal hatte Chrysler die Anleger mit einem horrenden Verlust von 948 Mill. Euro geschockt.

Wunder sind bekanntlich selten und so hagelte es am Mittwoch gleich reihenweise negative Kommentare über den größten deutschen Industriekonzern. Die Zahlen zum dritten Quartal hätten keine nachhaltige Verbesserung bei der US-Tochter Chrysler gezeigt, erklärten die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs und senkten ihre Gewinnprognose pro Aktie für den Autokonzern um gut 10 % auf 1,85 Euro nach zuvor 2,07 Euro.

Auch Auto-Analyst Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank bleibt skeptisch: Das Ergebnisziel von Chrysler sei „sehr ambitioniert“, kritisierte er. „Wir denken, dass Chrysler dieses Ziel nur dann erreichen kann, wenn sich die im zweiten Quartal getroffenen Annahmen für die weitere Entwicklung der Verkaufsanreize im vierten Quartal als zu pessimistisch herausstellen und Rückstellungen aufgelöst werden können.“

Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center for Automotive Research an der Fachhochschule Gelsenkirchen, sieht ebenfalls keine Anzeichen für eine Trendwende – auch weil die Probleme der japanischen Beteiligung Mitsubishi Motor offenbar größer seien als erwartet. Der Rückgang des operativen Gewinns im Konzern im dritten Quartal um 19 % auf rund 1,25 Mrd. Euro sei „im wesentlichen durch das anteilig einzubeziehende negative Ergebnis von Mitsubishi Motors bedingt“, heißt es im Quartalsbericht.

Die Bankexperten erwarten nach der Sonderabschreibung auf die EADS-Beteiligung, die Daimler nach neun Monaten in die Verlustzone trieb, für das Gesamtjahr nur noch einen geringen Nettogewinn. Stürzer revidierte seine Schätzungen massiv – von 2,16 Euro auf 0,17 Euro. Doch selbst ein Minus ist denkbar.

Daimler-Finanzchef Gentz schloss einen Nettoverlust nach der Abschreibung nicht aus. Die Folge könnte eine Reduzierung oder gar Streichung der Dividende sein. Knapp 80 % der Analysten empfehlen nach einer Erhebung der Wirtschaftsagentur Bloomberg derzeit, die Daimler-Aktie nicht zu kaufen.

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