US-Einzelhandelsriese trotzt der Fusionswelle: Trutzburg Wal-Mart

US-Einzelhandelsriese trotzt der Fusionswelle
Trutzburg Wal-Mart

Der elf Milliarden Dollar schwere Zusammenschluss der US-Kaufhausketten Federated Department Stores und May demonstriert, wie weit der Billighändler Wal-Mart seine Rivalen in die Enge getrieben hat. Wie eine Dampfwalze überrollt der weltgrößte Handelskonzern die Konkurrenz.

HB NEW YORK. Große Auswahl, annehmbare Qualität und absolute Niedrigpreise – mit diesem schlichten Rezept bedient Wal-Mart längst nicht nur Amerikas Arbeiterklasse, sondern auch Kunden der Mittelschicht, die einst bei Federated und May einkauften.

Zwar erwähnte Federated-Chef Terry Lundgren den übermächtigen Rivalen Wal-Mart nicht namentlich. Doch er nannte „wachsende Konkurrenz und Preisdruck im Handel“ als Grund für die Übernahme. Federated hofft, nach dem Kauf von May mit mehr als tausend Kaufhäusern besser mithalten zu können. Manche Analysten interpretieren die Elefantenhochzeit als Akt der Verzweiflung und glauben nicht an einen Erfolg. Denn Federated und May können preislich nie mit den Wal-Mart-Konditionen konkurrieren. Bei Qualität und Service wiederum verlieren sie den direkten Vergleich mit den Edelanbietern Neiman Marcus und Nordstrom. „Man kann einfach nicht in der Mitte sitzen wie die Kaufhausketten“, sagt Milton Pedraza, Chef der Unternehmensberatung Luxury Institute, dem Magazin Business Week.

Wer als Investor bei der Konsolidierung im US-Einzelhandel mitspielen will, sollte daher eher nicht auf die Federated/May-Kombination setzen. Attraktiver erscheinen zwei Alternativen: Erstens, mit Wal-Mart auf den Platzhirsch und langfristigen Profiteur des Konkurrenzkampfes zu wetten; zweitens, auf einen Erfolg der zweiten Milliarden-Fusion im US-Einzelhandel zu setzen – den Zusammenschluss der Handelskonzerne K-Mart und Sears Roebuck.

Unter der Regie des Hedge-Fonds-Stars Edward Lampert hat die K-Mart-Aktie sich bereits verachtfacht. Und falls Fondsmanager – und neuerdings Sears-Aufsichtsratschef – Lampert tatsächlich aus K-Mart und Sears eine schlagkräftige Einheit schmiedet, winken hohe Gewinnchancen für spekulative Investoren. Doch sitzen K-Mart und Sears genau wie Federated und May in der Mitte, eingeklemmt zwischen den Billighändlern und Luxusketten.

Nur ein Gewinner des harten Konkurrenzkampfs im US-Handel steht jetzt schon fest – Wal-Mart. Der Riese aus Bentonville in Arkansas arbeitet nach dem gleichen Konzept wie die Aldi-Brüder Karl und Theo Albrecht in Deutschland: annehmbare Qualität zu Niedrigstpreisen. Doch setzt Wal-Mart das Konzept mit typisch amerikanischer Gigantomanie um. 1,5 Mill. Angestellte erzielten im Geschäftsjahr 2004, das im Januar endete, 288 Mrd. Dollar Umsatz und einen Reingewinn von erstmals mehr als zehn Mrd. Dollar. An der Börse ist Wal-Mart sage und schreibe 220 Mrd. Dollar wert.

Die hohe Börsenbewertung ist allerdings das größte Manko der Wal-Mart-Aktie. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21,6 auf Basis des Ertrags von 2004 bedeutet, dass Investoren die exzellente Marktposition recht teuer bezahlen. Zum Vergleich: Die Aktie von Federated Department Stores kostet das 15,5-fache des Gewinns im vergangenen Jahr, bei K-Mart zahlen Anleger nur das 9,1-fache. Allerdings profitierte K-Mart 2004 von Sondererlösen aus dem Verkauf von Immobilien, die den Gewinn künstlich aufblähten und das Kurs-Gewinn-Verhältnis senkten.

Ein Risiko besteht auch darin, dass Handelsaktien stark vom privaten Konsum abhängen. Anlagestratege Richard Bernstein von der Investmentbank Merrill Lynch glaubt, dass die US-Verbraucher ihre legendäre Kauflust wegen hoher Ölpreise und ihrer enormen Verschuldung zügeln müssen. Deshalb rät Merrill, die Handelsbranche eher zu meiden. Die Wal-Mart-Aktie reagierte zuletzt sehr sensibel auf kleinste Änderungen der US-Konsumausgaben. Kurzfristig orientierte Investoren verkauften nervös, wenn die Zahlen unerwartet niedrig ausfielen. Langfristanleger können sich diesen Effekt zunutze machen.

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