US-Geschäft als Achillesferse der europäischen Versicherer
Rückversicherer: Nicht Stürme, sondern Preise entscheiden

Die Perspektive der Rückversicherer hängt von der Prämienentwicklung ab. Das US-Geschäft gilt als Achillesferse der europäischen Versicherer.

Die heftigen Wirbelstürme im Atlantik und im Pazifik setzen den Rückversicherern zu. So musste die Hannover Rück ihre Gewinnprognose für dieses Jahr senken. Andere Unternehmen könnten folgen. Dies ist aber kein Grund, seine Rückver- sicherungsaktien zu verkaufen. Denn die Risiken der Naturkatastrophen haben die Rückversicherer heute gut im Griff. Dies zeigt das Beispiel der Münchener Rück. Verglichen mit ähnlichen Ereignissen in der Vergangenheit traf den Weltmarktführer die aktuelle Sturmserie wesentlich geringer. Dies ist das Ergebnis verbesserter Prognosesysteme, einer stärkeren regionalen Geschäftsaufteilung und höheren Selbstbeteiligungen der Kunden. So bekommen die Rückversicherer auch die zunehmende Vermögenskonzentration in Krisenregionen in den Griff; innerhalb von vier Jahrzehnten sind die versicherten Schäden dort um den Faktor14 gestiegen. Der Trend dürfte anhalten.

Statt auf das voraussichtlich teuerste Sturmjahr für die Rückversicherer zu achten, sollten Anleger besser auf den Preiszyklus der Branche schauen. Sie hat in den vergangenen drei Jahren gut verdient. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 setzte sie drastische Preisaufschläge bei den Erstversi- cherungskunden durch. Zudem verdienen die Rückversicherer mit dem Kerngeschäft wieder Geld. Dies belegt die zuletzt auf durchschnittlich 95 Prozent gesunkene Schaden-Kostenquote. Aufgrund der Stürme erwarten Experten einen Anstieg um bis zu zwei Prozentpunkte bis Ende des Jahres.

Entscheidend für die kommende Entwicklung sind drei Faktoren: Erstens: Können Rückversicherer die Prämien auf dem hohen Niveau halten? Dabei dürfte die jüngste Sturmserie den Rückversicherern bei den laufenden Preisverhandlungen helfen. Bisher tritt die Branche hier geschlossen auf. Die größte Verhandlungsmacht haben dabei die Branchenführer Münchener Rück und Schweizer Rück. Sie dürften auch am ehesten von möglicherweise steigenden Prämien in der Katastrophenschutzdeckung profitieren.

Zweitens: Wie entwickeln sich die Kapitalmärkte? Nach Jahren mit hohen Abschreibungen auf Aktien und sinkenden Anleihezinsen könnten die Ergebnisse aus den Kapitalanlagen wieder leicht zulegen. Viele Experten sehen eine Trendwende. Entscheidend ist für die Versicherer die Zinsentwicklung. Mit steigenden Wertpapiererträgen könnten sie eventuell steigende Schadenquoten ausgleichen.

Drittens: Wie entwickelt sich das Haftpflichtgeschäft in den USA? Dieses Geschäft hat sich in den vergangenen Jahren als Achillesferse der europäischen Rückversicherer entpuppt. Erst verschwand deswegen Gerling, dann geriet Scor in eine existenzbedrohende Krise – ebenso wie kürzlich Converium. Allen gemeinsam lag eine falsche Einschätzung von Großrisiken zu Grunde. Auch andere Rückversicherer mussten für das US-Geschäft Reserven aufstocken. Dies könnte auch in Zukunft wieder passieren. Hohe Risiken resultieren hier auch aus der Rechtsprechung.

Fazit: Rückversicherer sind weit entfernt, wie früher eine Anlage für konservative Anleger zu werden, gleichzeitig bieten sie aber Chancen. Schließlich sind selbst die Aktien von Münchener Rück und Schweizer Rück so günstig wie seit zehn Jahren nicht mehr.

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