US-Hausbesitzer
Vermögen auf Sand gebaut

Den amerikanischen Hausbesitzern geht es an den Kragen: verschuldet bis zur Halskrause und ohne Rücklagen, belastet durch steigende Zinsen für ihre Hypotheken und höhere Energiepreise – und das bei stagnierenden oder leicht fallenden Realeinkommen.

FRANKFURT. Jahrelang kauften die Amerikaner zu teure Häuser auf Pump. Es war ein prächtiges Geschäft, solange der Chart der Immobilien- und Häuserpreise nur eine Richtung kannte: nach oben. Viele Besitzer freuten sich über jährliche Wertgewinne von einem Fünftel. Ab jetzt ist der errechnete Reichtum nur noch ein Kapitel im Buch der großen Illusionen. Ernüchterung macht sich breit. In manchen Regionen beginnen die Häuserpreise nach unten abzudrehen.

Immer mehr Besitzer spüren die Zwangslage, suchen sich kleinere und billigere Domizile. Der Markt fühlt bereits den Druck. Fanden Verkäufer eines Hauses vor zwei Jahren im Schnitt bereits nach drei Wochen einen Abnehmer, warten sie heute bereits über zwei Monate. In Dallas versuchen Verkäufer potenzielle Interessenten schon mit kostenlosem Swimmingpool oder freiem Hausmädchen-Service zu ködern.

Wie die Haushalte stehen auch Unternehmen aus der Immobilienbranche vor einem Desaster. Kürzlich meldete die in Florida aktive WCI Communities für das zweite Quartal stark gesunkene Auftragseingänge. Die neuen Orders erreichten nicht einmal mehr ein Fünftel des Vorjahresquartals. Ähnliche Headlines anderer Firmen dürften bald stärker ins Bewusstsein der Börsianer dringen. Vor einem Jahr standen Hausbau-Aktien wie WCI Communities und Toll Brothers in ihrem Zenit. Gemessen an den damaligen Höchstkursen haben die Anteilsbesitzer über die Hälfte ihres Geldes verloren. Eine Wende ist nicht absehbar.

Es wäre logisch, dass der Trend demnächst auf andere Branchen ausstrahlt. Wenn die Amerikaner ihre Schieflage spüren, werden sie weniger konsumieren. Heiße Kandidaten für Kursstürze sind dann einstige Highflyer wie Wal-Mart. Die Notierung des Handelsriesen pendelt seit Jahren in einer recht engen Spanne und zeigt nun bei 45 Dollar klare Ermüdung. Erst gestern schockte Wal-Mart die Aktionäre mit einem schlechten Ausblick. So eröffnet die Immobilien-Malaise nervenstarken Anlegern Chancen auf Baisse-Spekulationen.

Das Thema hat Durchschlagskraft: Eine Konsumschwäche als Konjunkturbremse müsste den US-Notenbankchef Ben Bernanke zu einer Umkehr bewegen. Börsianer hoffen bereits auf ein Ende der Zinserhöhungen. Aber das greift zu kurz. Wenn der Jubel über die Zinspause abgeklungen ist, werden die unvermeidbaren Folgen einer schwächeren Wirtschaft in den Blick geraten: sinkende Gewinnsteigerungen der Unternehmen. Dann sind die optimistischen Ertragsschätzungen der Analysten Makulatur. Eine Saison der Revisionen wird beginnen und den Gesamtmarkt belasten.

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