US-Präsident Bush muss nun die Staatsfinanzen sanieren
Jetzt wird es ernst

Wann immer Investoren und Analysten zuletzt nach Washington schauten, interessierte sie nur eines: Wer wird der nächste US-Präsident? Nun ist diese Frage beantwortet. Doch ausruhen kann der neue, alte Präsident George W. Bush sich nicht – im Gegenteil.

NEW YORK. Nach seiner Wiederwahl wollen die Finanzmärkte wissen, wie Bush die maroden US-Staatsfinanzen saniert. Präsentiert der Präsident nicht bald ein überzeugendes Konzept, droht eine Finanzkrise: Der Dollarkurs könnte einbrechen, US-Anleihen könnten abstürzen. Beides dürfte die amerikanische Wirtschaft in eine neue Rezession treiben.

Ein Horrorszenario? Ja, aber ein realistisches. Mit sinkenden Steuern und steigenden Staatsausgaben für den Irakkrieg und die innere Sicherheit hat Bush ein riesiges Loch in den Staatshaushalt gerissen. Gleichzeitig importieren die USA weit mehr, als sie ins Ausland ausführen. „Bislang tolerieren die Finanzmärkte diese beiden Defizite, aber ihre Geduld währt nicht ewig“, warnt der Investmentbanker Felix Rohatyn. Er rettete die Stadt New York in den 1970er Jahren vor dem drohenden Bankrott. Heute befinde sich die gesamte Nation in einer ähnlich prekären Lage wie damals New York, warnt der Demokrat Rohatyn, der unter Bill Clinton als US-Botschafter in Paris diente.

Auch das britische Magazin Economist warnt vor einem drohenden Dollar-Kollaps, ebenso wie Stephen Roach, Chefvolkswirt der New Yor-ker Investmentbank Morgan Stanley. Gestern spielten die Devisen- und Rohstoffmärkte bereits ein mögliches Krisenszenario durch: Der Dollar fiel gegenüber dem Euro in die Nähe seines Allzeittiefs vom Februar. Der Preis für Gold, die Zufluchtsstätte für Investoren in Krisenzeiten, stieg auf den höchsten Stand seit August 1988.

Hinter den Kursauschlägen steckt die Sorge um den ausufernden Kapitalbedarf der USA als Grund. Tatsächlich klingen die Zahlen erschreckend: An jedem Wochentag braucht die US-Wirtschaft 2,6 Mrd. Dollar Kapital aus dem Ausland, um ihr doppeltes Defizit im Außenhandel und im Staatshaushalt zu decken. Denn die US-Verbraucher und Unternehmen sparen viel zu wenig, um das Loch in der Staatskasse auszugleichen.

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