US-Zinspolitik
Schulden hin oder her

Ob der auch „Greenback“ genannte US-Dollar an Wert verlieren darf, war schon im 19. Jahrhundert ein Thema.

DÜSSELDORF. Nach den Verheerungen des US-Bürgerkrieges formierte sich damals die „Greenback Party“, die sich dafür einsetzte, dass das grün bedruckte Papiergeld nicht mehr mit Edelmetallen gedeckt sein muss. Damit ging eine gewisse Entwertung einher, die es Farmern erleichterte, ihre Schulden zurückzuzahlen.

Eine Entwertung des Dollars, damit sich Schulden besser bezahlen lassen, ist auch heute wieder aktuell. In ausufernder Weise leben die Amerikaner über ihre Verhältnisse. Die konsumfreudigen US-Bürger importieren deutlich mehr als sie ausführen. Um den Einkaufsrausch zu finanzieren, braucht das Land tagtäglich einen Nettozufluss von 3,5 bis vier Mrd. Dollar. Das Geld der Ausländer findet nur dann seinen Weg in die USA, wenn es für sie attraktiv ist, dort zu investieren.

Bisher haben die im internationalen Vergleich hohen US-Zinsen gelockt. Seit die US-Notenbank begonnen hat, Schritt für Schritt die Leitzinsen zu erhöhen, hat der Dollar gegenüber den übrigen Währungen nicht nur seinen Wert behalten, er hat sich sogar ein Stück weit erholt. Doch jetzt beginnt eine Zitterpartie. Die US–Zentralbank hat angekündigt, dass sie die Zinsen konstant hält, sobald es das Umfeld erlaubt. Damit drückt jede neue Nachricht, die das Ende der Zinsschritte wahrscheinlicher werden lässt, auf den Dollar.

Besonders gut stehen die Chancen des Dollars in den nächsten Monaten nicht. Denn die US-Wirtschaft schwächelt, und es steigt die Chance, dass die Notenbank sogar ihre Zinsen wieder senkt. Dagegen ist Europa noch dabei, die Leitzinsen stetig zu erhöhen. Japan hat noch kaum mit Zinserhöhungen angefangen. Der Dollar muss billiger werden, sonst kauft ihn keiner mehr.

Doch mittel- und längerfristig hat der Dollar durchaus Potenzial. Der unabhängige US-Wirtschaftsberater Gary Shilling weist darauf hin, dass historisch das Geld am Ende immer dort hingeflossen ist, wo die Produktivität am schnellsten gestiegen ist. Die Amerikaner sind da den Europäern haushoch überlegen – trotz ihres sich abschwächenden Wirtschaftswachstums. Um rund 2,5 Prozent verbesserte sich die Produktivität in den USA im zweiten Quartal 2006 gegenüber dem Vorjahresquartal. In der Euro-Zone ist sie nur um ein Prozent gestiegen. So stellt sich der Unterschied schon seit Jahren dar. In neuen Technologien haben die Amerikaner die Führungsrolle. Ein riesiger homogener Absatzmarkt erlaubt gigantische Stückzahlen. Hinzu kommt die Zuverlässigkeit eines hoch entwickelten Kapitalmarkts. Auch Währungsstratege Stephen Jen von Morgan Stanley weist auf dieses Phänomen immer wieder hin.

Kurz- und mittelfristig mag der Dollar in Bedrängnis sein. Aber auf Dauer gesehen bleibt er ein sicherer Hafen. Das dürfte sich spätestens beim nächsten Aufschwung zeigen. US-Schulden hin oder her.

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