Verbraucher schätzen iberische Einzelhandelsfirmen
Spanische Strategie

Egal ob Zara, Massimo Duti, Springfield oder Mango – spanische Einzelhandelsunternehmen sind auf dem deutschen Markt fest etabliert. Natürlich haben sie es angesichts der Konsumflaute hierzulande nicht leicht.

MADRID. Aber weil sie wegen ihrer flexiblen Produktion und Logistik die Kosten besser im Griff haben und internationaler aufgestellt sind als viele deutsche Einzelhändler, sind die spanischen Unternehmen besser durch die Flaute gekommen.

Deren Aktienkurse sind seit geraumer Zeit wieder im Aufwärtstrend, auch wenn der spanische Einzelhandelsindex in diesem Jahr immer noch schlechter als das Standardwertebarometer Ibex läuft. Während der Kurs von Inditex, Muttergesellschaft der Ladenkette Zara, Anfang des Jahres noch unter den schlechteren Konsumaussichten in Europa gelitten hatte, hat die Aktie seit Mai kräftig zugelegt. Die guten Halbjahresergebnisse der Gruppe, zu der auch Zara Home und der Herrenausstatter Massimo Duti gehören, bestätigten die Anleger. Der Gewinn wuchs in den ersten sechs Monaten um 29 Prozent auf 188 Millionen Euro. Damit hat Vorstandschef José María Castellano die Tradition des weltweit drittgrößten Textilhändlers bewahrt, die Analystenprognosen zu toppen.

Gefallen haben der Börse auch die guten Verkaufsaussichten für das Rest des Jahres. Der Jahresumsatz wird nach Unternehmensschätzungen zwischen 23 und 25 Prozent wachsen. Einige Broker wie Ibersecurities in Madrid raten aber trotzdem zum Verkauf der Aktie. „Das Wertpapier ist bereits sehr teuer“, heißt es. Andere schätzen, dass Inditex die Dynamik beibehalten wird und damit eine weitere Wertsteigerung der Aktie möglich ist. Noch immer gilt das Geschäftsmodell des Unternehmens, möglichst weite Teile der Produktion und Logistik in den eigenen Händen zu halten und damit flexibler auf Krisen reagieren zu können, als ein Grundpfeiler des stabilen Erfolges ihrer größten Kette Zara.

Eine regelrechte Kurs-Rally hat in diesem Jahr der spanische Textilproduzent Cortefiel hingelegt, Mutterhaus des Herrenausstatters Springfield und Nummer zwei auf dem spanischen Modemarkt. Nach ein paar düsteren Jahren mit Verlusten und Umsatzrückgängen, die auch durch den Einbruch auf dem deutschen Markt bedingt waren, ist das Familienunternehmen wieder wettbewerbsfähig. Ein harter Spar-kurs und eine größere Flexibilisierung der Produktion hat dem Konzern, der in Deutschland vor allem mit den Ketten Springfield und Werdin vertreten ist, im ersten Halbjahr 2004 ein zweistelliges Gewinnwachstum gebracht. Der Umsatz wuchs um knapp drei Prozent auf 415 Millionen Euro. Die Börse hat diese Entwicklung belohnt. Die Aktie hat von acht Euro im Juni auf derzeit um die zehn Euro zugelegt.

Der dritte Modewert an der spanischen Börse, Adolfo Domínguez, konnte seinen Kurs in den vergangenen Monaten nach einer Aufholjagd Ende Mai zumindest halten. Hier wird die weitere Entwicklung davon abhängen, ob der Herren- und Damenausstatter es schafft, sich international zu positionieren oder doch, wie es bereits seit vielen Jahren spekuliert wird, von einem heimischen Konkurrenten übernommen wird. Nach Meinung vieler Analysten ist das Unternehmen mit einem Umsatz von 61 Millionen Euro und einem Gewinn von knapp fünf Millionen Euro im ersten Halbjahr 2004 zu klein, um alleine überleben zu können. Als Kaufinteressent galt lange Zeit Cortefiel.

Der Teeniemodenhersteller Mango ist noch nicht an der Börse notiert. Aber nach Ansicht der Analysten ist es das nur noch eine Frage der Zeit, weil die katalanische Modekette ihre starke internationale Expansion irgendwann nicht mehr anders wird finanzieren können. An interessierten Aktienkäufer dürfte es nicht mangeln: Schon jetzt haben die Spanier wegen ihres guten Preis-Leistungsverhältnis und ihrer kreativen Kollektionen zumindest in Deutschland eine regelrechte Fangemeinde.

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