Verhaltene Geschäftsaussichten
Nur abgebrühte Anleger wagen sich noch an EM.TV

Der Medienwert fährt an den Börsen Achterbahn – an den unsicheren Geschäftsaussichten für EM.TV hat sich unterdessen aber nichts geändert.

HB MÜNCHEN. Hurra, die guten alten Haffa-Zeiten sind endlich wieder da: Seit Jahresbeginn hat sich der Aktienkurs von EM.TV bei hohen Umsätzen fast verdreifacht. In der Spitze war der frühere Börsenstar von Gründer Thomas Haffa auf das Vierfache seines Tiefstandes geklettert. Lässt sich mit der abgestürzten Medienfirma also endlich wieder richtig Geld verdienen?

Gut möglich, denn die letzten Wochen waren für Zocker ganz gewiss eine Freude. Doch der Aufschwung hat einen Haken: Niemand traut der plötzlichen Hausse. Auf den Anstieg folgte in den vergangenen Tagen ein scharfer Fall. Und das hat durchaus seinen Grund, denn an den schlechten fundamentalen Unternehmensdaten hat sich zuletzt wenig geändert.

Im Klartext: Die verhaltenen Geschäftsaussichten rechtfertigen die Kursavancen überhaupt nicht. Gewinne sind bei EM.TV noch längst nicht in Sicht. Dazu kommt: Aktionäre, die schon über Jahre dabei sind, können über den momentanen Kurs nur heulen. Zur Erinnerung: In guten – richtig guten – Zeiten notierte EM.TV bei fast 120 Euro, die Firma sah sich zeitweise als Kandidat für den Dax. Gestern lag das Papier bei vergleichsweise bescheidenen 1,60 Euro, die Firma notiert mit anderen Nebenwerten im S-Dax.

Selbst Experten können derzeit nur spekulieren, warum die Kurse zeitweise so stark gestiegen sind – und jetzt wieder nach und nach abbröckeln. Auffällig steil geklettert ist nicht allein EM.TV. Auch die Aktien vieler anderer Medienwerte gingen zuletzt an den Börsen auf Achterbahnfahrt. So legte der Kurs des Münchener Filmproduzenten Internationalmedia seit Jahresbeginn um mehr als die Hälfte zu, brach zeitweise aber auch wieder ein.

„Da sind häufig sehr spekulative, kurzfristig orientierte Anleger am Werk“, betont Thomas Grillenberger, Analyst der Bayerischen Landesbank. Dazu kommen Einflüsse aus dem Ausland, vor allem aus Großbritannien. Grillenberger: „Hedge Funds schauen sich derzeit auch auf dem deutschen Markt für Small und Mid Caps um.“

Fest steht: Ein besseres Geschäft im Mediensektor erwartet für dieses Jahr niemand mehr. Noch immer ist die Stimmung unter Filmproduzenten und Kundschaft – vor allem den privaten TV-Anstalten – gedrückt. Das trifft Firmen wie EM.TV besonders hart, die auf den Verkauf von Kinderfilmen spezialisiert sind.

Dazu kommen im Fall von EM.TV hausgemachte Probleme, die einer durchgreifenden Erholung des Kurses entgegenstehen. Denn so lange nicht geklärt ist, wie die Münchener ihre Wandelanleihe zurückzahlen wollen, ist sogar eine Pleite vorstellbar. EM.TV-Chef Werner Klatten hat bereits angekündigt, dass er den 2005 fälligen Bond über knapp 470 Mill. Euro nicht bedienen kann. Wie er das Thema lösen will, sagt er freilich nicht. Nur so viel: Noch dieses Jahr soll das Problem vom Tisch.

Einstweilen bleibt langfristig orientierten Anlegern lediglich die Hoffnung, dass EM.TV durch die Übernahme des Sportsenders DSF zusammen mit dem Handelskonzern Karstadt und dem Kauf der Produktionsfirma Plazamedia schnell neue Einnahmequellen erschließen kann. Von den Altlasten der Haffa-Ära befreit sollte EM.TV nächstes Jahr endlich wieder nahe an die Gewinnschwelle kommen.

Analyst Grillenberger bleibt dennoch skeptisch: „Ein Engagement in die EM.TV-Aktien kann man unseres Erachtens zurzeit nur eingeschränkt empfehlen.“ Der Grund für die Zurückhaltung: Wenn es bei der Refinanzierung der Anleihe zu einer Kapitalerhöhung kommt, sind die Aktionäre im Nachteil. Grillenberger: „Institutionelle Anleger interessieren sich deshalb auch verstärkt für die Anleihe.“

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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