Versicherungsaktien
Gefahr aus Berlin

Für Anleger mit Interesse an Versicherungsaktien ist der Politikteil der Zeitung in den nächsten Wochen Pflichtlektüre. Schließlich stehen in Berlin fundamentale Entscheidungen an, die deren Kurse beeinflussen dürften.

DÜSSELDORF. Eine der spannendsten Fragen für die Titel von Allianz und Co ist, welche Entscheidung die Regierungskoalition in puncto Gesundheitsreform trifft. Über das Ergebnis rätseln selbst Auguren, die gewöhnlich gut informiert sind.

Klar ist nur, dass bereits kleine Änderungen große Auswirkungen für die Versicherer haben könnten, beispielsweise dann, wenn die Versicherer in den Risikostrukturausgleich der gesetzlichen Krankenkassen einbezogen würden, eine Idee mit der manch ein SPD-Politiker liebäugelt. In diesem Fall würden die privaten Policen deutlich teurer, was das Geschäft drosseln dürfte. Noch drastischere Konsequenzen gäbe es, sollte die private Krankenversicherung gar auf eine Ergänzungsversicherung reduziert werden. Dann bräche den Unternehmen mit der Vollversicherung ein wichtiges Geschäftsfeld weg, was negative Folgen für die Mütter großer privater Krankenversicherer haben dürfte, ob bei der DKV auf die Münchener Rück, bei der APK auf die Allianz, der Axa Kranken auf die Axa oder der Central-Kranken auf die AMB-Generali.

Noch genauer sollten Anleger auf die Entwicklung in der Lebensversicherung schauen. Hier muss sich die Assekuranz auf Änderungen zu ihren Ungunsten einstellen, nachdem Bundesrichter eine Reihe von gesetzlichen Verbesserungen für Kunden angemahnt haben. Weitere Rückschläge drohen durch Gesetzesänderungen, die die Politik bereits auf den Weg gebracht hat, beispielsweise die Änderungen des Versicherungsvertragsgesetzes.

Sollten die Kunden demnächst mehr erhalten, werden im Gegenzug die Spielräume für die Aktionäre kleiner. Das dürfte einige Anleger verschrecken, die nur deswegen Versicherungsaktien halten, weil sich die Konzerne zuletzt sehr ausschüttungsfreudig zeigten.

Aber auch ohne die Störfeuer aus der Politik droht die jahrzehntelange Erfolgsstory der Lebensversicherer auf dem deutschen Altersvorsorgemarkt zu kippen. Seit dem Wegfall des Steuerprivilegs brach das Neugeschäft mit den Kapital bildenden Policen zusammen, darüber haben die Unternehmen zuletzt quer durch die Bank berichtet.

Die Assekuranz bietet mehr und mehr Angriffsflächen, die Konkurrenten aus dem Fonds- und Bankenlager nutzen werden, um sich einen größeren Anteil der Altersvorsorge zu sichern. Dies dürfte sich noch am wenigsten für börsennotierte Versicherer auswirken, die als Allfinanzdienstleister unterwegs sind, oder für internationale Anbieter, die das notwendige Wissen besitzen, um selbst fonds- oder bankähnliche Produkte zu schaffen. Zu dieser Riege zählen vor allem die Allianz, die Münchener Rück, die Axa oder die Generali. Ihre Anleger können den Politikteil in den kommenden Wochen etwas entspannter lesen.

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