Versicherungsaktien
Lockruf der Dividende

Die großen Versicherer verdienen momentan gut an der Erholung an den Finanzmärkten. Auch der Ausblick für das kommende Jahr ist solide. Doch die Börse mag die Aktien der Assekuranz nicht. Dabei können vor allem Dividendenjäger auf ihre Kosten kommen.
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FRANKFURT. Die großen Versicherer in Europa verdienen gut. Sie profitieren dabei von der Erholung an den Finanzmärkten. Wer sich wie Munich Re früh auf niedrige Zinsen eingestellt hat, überrascht sogar mit satten Investmentrenditen von fünf Prozent. Die Neunmonatszahlen sind daher in den meisten Fällen besser als von Analysten erwartet ausgefallen. Etliche Gesellschaften – darunter Allianz, Munich Re und Hannover Rück – haben ihre Gewinnprognosen für das Gesamtjahr erhöht.

Der Ausblick für das kommende Jahr ist zudem solide. Manche, wie die Allianz, halten sich zwar mit Prognosen für 2011 zurück – und das obwohl Europas größter Versicherer in diesem Jahr schon vier Mrd. Euro verdient hat und vermutlich eine weitere Milliarde in diesem Quartal dazu kommt. Andere wie Munich Re gehen aber bereits im dritten Jahr in Folge von mehr als zwei Mrd. Euro Gewinn aus.

Alle konzentrieren sich nun auf ihre Kernkompetenz: So viel Prämie zu verlangen, wie dauerhaft nötig ist, um zu erwartende Schäden zu zahlen und eigene Kosten zu decken. In vielen Bereichen ist die Debatte mit Kunden darüber eröffnet.

Geplante EU-Kapitalregeln verunsichern Investoren

Dennoch haben sich die Aktienkurse der großen Versicherer mäßig entwickelt. Sie pendeln seit zwei Jahren eher seitwärts. Das zeigt sich ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber der Branche. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens könnten die Kapitalregeln in Europa ab 2013 im Rahmen des EU-Regelwerks Solvency II deutlich verschärft werden. Noch immer ist unklar, was auf die Branche zukommt.

Zweitens gelten Versicherer wie Allianz, Zurich, Generali oder Munich Re als undurchsichtig. Sie sind sehr breit aufgestellt. Das sichert zwar solide Gewinne. Für Spekulanten ist es aber schwer, auf kurzfristige Erfolge eines Unternehmens zu setzen. Denn oft gleicht die Dynamik in einer Sparte magere Ergebnisse einer anderen aus.

Manche Versicherer setzen ihr Kapital aus der Sicht der Börse zudem nicht immer optimal ein. Die Rückversicherer etwa, also die Versicherer der Versicherer, könnten wesentlich mehr Risiken und damit Geschäft übernehmen. Doch weil das zu guten Bedingungen nicht klappt, kaufen sie lieber eigene Aktien.

Für langfristig orientierte Aktionäre ist das insgesamt eine interessante Situation. Denn die meisten Versicherer schütten ordentliche Dividenden aus, rund ein Drittel des Jahresüberschusses sind Standard. In vielen Fällen bewegen sich die Renditen bezogen auf den Kurs derzeit zwischen fünf und sieben Prozent. Da die Ertragskraft der Branche solide ist, dürfte sich das Dividendenniveau mittelfristig nicht ändern, sondern vielleicht eher noch ein wenig steigen.

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