Verwirrende Aussagen zu Chinas Aktienmarkt
Chinesische Zeichen

Internationale Investmentbanken haben den neu gewonnenen Beifall, den Chinas inländischer Aktien- und Rentenmarkt zuletzt allgemein fand, auch an Käufer aus Übersee herausposaunt. Aber fragen wir dieselben Strategen, wie sie China beurteilen, fällt ihre Antwort weniger enthusiastisch aus.

wsj NEW YORK. Von sieben ausländischen Banken, die in China investieren wollen, raten Citigroup, Morgan Stanley und UBS zum Untergewichten, Deutsche Bank, HSBC und Nomura Securities empfehlen ein Übergewicht. Goldman Sachs nimmt eine neutrale Position ein.

Die Empfehlungen der Banken beziehen sich auf chinesische Aktien, die schon für Ausländer zugänglich sind, ähnlich den in Hong Kong gelisteten Class H Aktien. Diese so genannten Class A Aktien werden als die Besten betrachtet, als diejenigen, die es über die Regulationssperre bis zum Übersee-Listing geschafft haben. Noch geben die Banken keine formellen Empfehlungen ab. Die Aktien sind zur Zeit auch nicht Teil des Morgan Stanley Capital International Benchmark Index (MSCI), den die meisten Investoren benutzen. Trotzdem werben Citigroup, Morgan Stanley und UBS für den chinesischen Markt, während sie den Investoren gleichzeitig erzählen, dass selbst die besten China-Aktien kein großer Kauf seien.

Chinas inländische Class A Aktien, die lange nur eigenen Investoren vorbehalten waren, wurden dieses Jahr für qualifizierte ausländische Investoren (QFII) geöffnet, jedoch mit strengen Einschränkungen. Und Class A Aktien sind teuer, trotz ihres Acht-Monats-Tiefs. Die in Shanghai gelisteten handeln beim 37-fachen ihres erwarteten Gewinns, die in Shenzhen sogar beim 66-fachen. Im Gegensatz dazu handeln die in Hong Kong gelisteten China Aktien beim 13 bis 14-fachen ihres erwarteten Gewinns.

Der höhere Preis bringt nicht automatisch auch bessere Qualität. Kursmanipulation, fehlerhafte Unternehmensmeldungen und andere Skandale sind Alltag im chinesischen Class A Markt, auch wenn es weniger als noch vor ein paar Jahren geworden ist, da Regulatoren ernsthafte Anstrengungen machen, diese Praktiken auszumerzen.

Die ersten QFII Lizenzen wurden im Mai für Nomura und UBS ausgestellt. Viele der Banken haben bekannt gegeben, dass sie in Class Aktien investieren wollen, aber nennen natürlich keine Zahlen oder Einzeltitel. Die Banken sagen, dass Class A Aktien und die anderen chinesischen Aktien zwei ganz verschiedene Märkte repräsentieren, was natürlich unterschiedliche Empfehlungen mit sich bringt.

„Heute ist der Class A Aktienmarkt ein wenig teuer, aber morgen, wer weiß?“, sagt Hugh Young von Aberdeen Asset Management in Singapur. Er weist darauf hin, dass dieser mit einer Marktkapitalisierung von 476 Mrd. $ nach Tokio der zweitgrößte in der Region sei. Auch wenn er die Hälfte seines Wertes verlieren sollte, würde der Markt etwa gleich groß wie Südkorea sein.

Wenn also MSCI und andere Index-Anbieter anfangen, China in ihren Hauptindex aufzunehmen, müssten die Investoren aufhorchen. Goldman Sachs rechnet, dass dann der Anteil der Class A Aktien von jetzt 7 % auf bis zu 41 % im MSCI Emerging Market-Index steigen könnte. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dies schnell passieren wird. MSCI bewegt sich sehr vorsichtig und wegen der eingeschränkten Besitzmöglichkeiten für Ausländer wird man diese Aktien extra langsam aufnehmen. Das letzte offizielle Wort hierzu kam im Januar, als es hieß, dass man noch nicht mal über eine Prüfung der Aufnahme nachgedacht habe.

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