Viele Deutsche lieben Derivate - auch die risikoarmen
Volk der Zocker?

Deutschland ist weltweit der Spitzenreiter im Derivategeschäft für Privatanleger. Schätzungen von Experten zufolge lag das Handelsvolumen von Januar bis Ende November am Markt mit Optionsscheinen und Zertifikaten bei 140 Mrd. Euro – ein erkleckliches Sümmchen. Sind die Deutschen ein Volk der Zocker? Offensichtlich spekulieren viele gern – laut Bankvertretern übrigens überwiegend Männer.

HB FRANKFURT. Doch wie die neueste, dem Handelsblatt vorliegende Umfrage des Datenanbieters Onvista ergibt, nutzen viele Derivate-Anleger inzwischen diese Produkte auch als mittelfristige Geldanlage. Denn von den über 2000 befragten Investoren besitzen 43 Prozent der Befragten Geld Indexzertifikate und 20 Prozent Discountzertifikate – beides Derivateformen mit vergleichsweise geringem Risiko. Mit Blick auf die Indexzertifikate heißt das auch: Mittlerweile lassen sich weniger Anleger von dem Begriff „Zertifikat“ abschrecken und vernachlässigen die altbekannten – aber teureren – Fonds.

Während Anleger Optionsscheine oft nur wenige Tage oder Wochen halten, kristallisiert sich im Bereich Zertifikate ein Trend zum mittelfristigen Investment heraus. So hielten fast 40 Prozent der Befragten, die mit Discountzertifikaten handeln, die Papiere länger als ein Jahr. Und die Umsätze bei diesen Produkten sind stark gestiegen: Waren es Schätzungen zufolge im Dezember 2001 noch 160 Millionen Euro Umsatz, stieg das Handelsvolumen im Dezember 2002 bereits auf 400 Mill. Euro Umsatz und lag im November diesen Jahres bei 1,6 Mrd. Euro.

Ebenfalls interessant ist, dass der außerbörsliche Handel weiter zunimmt. Der Onvista-Umfrage zufolge ordern 25 Prozent der Befragten überwiegend oder ausschließlich außerbörslich, im Vorjahr waren es noch 20 Prozent. Von Bankenseite ist dazu allerdings festzuhalten, dass das außerbörsliche Geschäft nur bei einigen Emittenten blüht, andere haben den Abendhandel eingeschränkt, weil die Kosten zu hoch waren. Dagegen macht etwa bei der Deutschen Bank der vor- und nachbörsliche Umsatz immerhin ein Viertel des gesamten Handelsvolumens aus, wie Florian Brechtel, der Derivateexperte des Hauses, erklärt.

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