Volvo
Pralle Kasse – große Sorgen

Geld allein macht nicht glücklich. Das muss dieser Tage Leif Johansson erfahren. Der Chef von Volvo, dem nach Daimler- Chrysler zweitgrößten LKW-Hersteller der Welt, steht mächtig unter Druck.

STOCKHOLM. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass angeblich gut unterrichtete Finanzkreise berichten, dass „Heuschrecken“ über Johanssons Imperium aus Lastwagen, Bussen, Baumaschinen, Boots- und Flugzeugmotoren herfallen. Angeblich planen Hedge-Fonds eine Übernahme der Schweden.

Die Nachrichten bereiten Johansson viele Sorgen. Dabei befindet er sich eigentlich in einer komfortablen Situation: Es brummt bei Volvo, die schweren LKWs laufen wie selten zuvor, Baumaschinen und Bootsmotoren ebenso. Und die Konzernkasse ist mit umgerechnet 2,2 Mrd. Euro prall gefüllt.

Doch gerade der hohe Barbestand erweist sich als Problem für die Schweden. Schon seit Monaten fordern die Großaktionäre – unter ihnen eine ganze Reihe in- und ausländischer Fonds –, dass sie über eine deutlich höhere Dividende an dem Reichtum beteiligt werden. Um diesen Wunsch zu untermauern, setzten sie das Gerücht einer Übernahme von Schwedens umsatzstärkstem Konzern in die Welt. So wird zumindest spekuliert.

Vergangene Woche ging Johansson in die Offensive und erklärte, er plane größere Übernahmen. Im Klartext: Er brauche das angesammelte Kapital, um möglicherweise in China oder Russland durch Übernahmen weiter zu wachsen.

Ob das reicht, um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist fraglich. Zu lukrativ ist Volvo, als dass die internationalen Hedge-Fonds schnell Ruhe geben dürften. Neben der prall gefüllten Kasse macht Volvo vor allem das Aufteilungspotenzial für mögliche Käufer attraktiv: Die rentable Baumaschinen-Sparte, die Bootsmotoren von Volvo Penta und auch der Flugzeugmotoren-Bereich ließen sich leicht getrennt veräußern.

Ein weiterer Grund für das plötzlich große Interesse an Volvo: Seit der Übernahme der Renault-LKW-Sparte durch Volvo ist der französische Konzern mit 20 Prozent größter Einzelaktionär. Dieser Posten, der aus Paris als rein „finanzielle Beteiligung“ bezeichnet wird, hat – allen Halte-Ankündigungen zum Trotz – enorme Begehrlichkeiten bei den Fonds geweckt. Auch hier geht es um Geld und die Frage: Ab welchem Preis könnte Renault schwach werden?

Für die vielen Kleinanleger bei Volvo ist die Geld-Frage eine andere: Nachdem der Kurs der Aktie in den vergangenen Monaten wegen der Spekulationen um rund ein Viertel gestiegen ist, müssen sie den günstigen Zeitpunkt für einen Ausstieg finden. Denn eine tatsächliche Übernahme dürfte überaus schwierig werden – allein schon aus nationalen Empfindlichkeiten. Und sollte Johansson Ernst machen und demnächst auf Einkaufstour gehen, ist die Gefahr groß, dass er unter Druck zu hohe Preise zahlen wird. Für die Volvo-Aktie keine guten Aussichten.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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